{"id":117,"date":"2012-09-26T19:52:19","date_gmt":"2012-09-26T17:52:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steffenkirchner.de\/blog\/?p=117"},"modified":"2012-09-26T20:01:43","modified_gmt":"2012-09-26T18:01:43","slug":"zukunft-morgen-gibt-es-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steffenkirchner.de\/blog\/zukunft-morgen-gibt-es-nicht\/","title":{"rendered":"Zukunft &#038; Morgen gibt es nicht!"},"content":{"rendered":"<p>Wissen Sie schon, was Sie morgen oder in Zukunft machen? Wenn ja, dann kennen Sie vielleicht ja auch die moderne Volkskrankheit &#8222;Aufschieberitis&#8220;? Sehr viele Menschen leiden an ihr. Der Krankheitsverlauf ist meist schleichend, der Leidensdruck steigt stetig an &#8211; und doch endet diese Krankheit trotz allen Leids nie t\u00f6dlich. Vielmehr beendet h\u00e4ufig der Tod diese Krankheit, und somit auch all das, was man in seinem Leben vor sich hergeschoben und nicht angeganen hat. Dabei k\u00f6nnte die Heilung dieser Krankheit sehr schnell erfolgen und ben\u00f6tigt weder Medizin noch Therapie. Nebenwirkungen im Heilungsprozess sind die Regel &#8211; ja sie sind sogar erw\u00fcnscht.<\/p>\n<p><!--more-->Eine der gro\u00dfartigen F\u00e4higkeiten des menschlichen Bewusstseins ist es, gedanklich in die Vergangenheit sowie in die Zukunft reisen zu k\u00f6nnen. Genau diese Eigenschaft unseres Verstandes unterscheidet uns von der Tierwelt und erm\u00f6glicht es uns, begangene Fehler zu analysieren und die daraus resultierenden Erkenntnisse in unsere Zukunftsplanung sinnvoll mit einzubauen. Das Ganze hat allerdings auch den gravierenden Nachteil, dass wir vieles bewusst in die Zukunft (ver)schieben, was eigentlich heute gemacht werden sollte. Bei den t\u00e4glichen To-do\u00b4s am Arbeitsplatz ist das bereits schon unangenehm, denn auf diese Weise schaffen es t\u00e4glich tausende von Mitarbeitern in ganz Deutschland, ihre Energie zu zerst\u00f6ren, indem sie die unangenehmen Telefongespr\u00e4che des Tages hinten anstellen, nur um am Ende das Gespr\u00e4ch im Terminkalender auf den n\u00e4chsten Tag zu \u00fcbertragen. Das schlechte Gef\u00fchl \u00fcbertr\u00e4gt man dabei nat\u00fcrlich mit.<\/p>\n<p>Viel dramatischer wird das Ganze allerdings dann aber noch, wenn wir beginnen, unsere inneren W\u00fcnsche, Tr\u00e4ume und Bed\u00fcrfnisse in die Zukunft zu verschieben. An dieser Stelle geben wir sprichw\u00f6rtlich den L\u00f6ffel ab. Denn wer nicht nach eigenen W\u00fcnschen und Vorstellungen lebt, der lebt nach den W\u00fcnschen und Vorstellungen anderer. Und wer keine eigenen Ziele verfolgt, wird von anderen f\u00fcr die Verfolgung ihrer Ziele benutzt. Das Resultat ist, dass wir ein Leben leben, das gar nicht unser Leben ist, sondern welches nur nach den Vorstellungen von anderen abl\u00e4uft.<br \/>\nKlingt Ihnen das zu hart? Denken Sie jetzt: <em>&#8222;Und das soll alles nur darauf basieren, weil wir ab und zu Dinge erst morgen machen, die wir heute machen k\u00f6nnten?&#8220;<\/em> Genau so ist es! Gerne erkl\u00e4re ich Ihnen meine Haltung dazu etwas n\u00e4her.<\/p>\n<p><strong>Freibier gibts morgen<\/strong><\/p>\n<p>Um Sie gleich zu Beginn zu schockieren, hier mein Satz des Tages f\u00fcr Sie: <strong><em>&#8222;Zukunft&#8220; gibt es<\/em><em> nicht!<\/em><\/strong> Und ich setze noch einen drauf:<em> &#8222;<strong>Morgen&#8220; gibt es genau so wenig!<\/strong><br \/>\n<\/em>Nein, das ist kein Scherz. Vielleicht entgegnen Sie jetzt: <em>&#8222;Ja aber morgen kommt doch! Ich wei\u00df doch heute, dass morgen morgen sein wird.&#8220;<\/em> Ach ja? Wissen Sie das? Die Frage ist nur: F\u00fcr wen? F\u00fcr Sie? Ich w\u00fcnsche es Ihnen! Aber k\u00f6nnen Sie mir bzw. sich selbst das jetzt beweisen oder garantieren?<br \/>\nDer Punkt ist: F\u00fcr viele unter uns, wird es (voraussichtlich) ein Morgen geben. Aber wer von uns wei\u00df, f\u00fcr wen? Das Einzige was wir sicher wissen ist, dass wir JETZT gerade leben. Das ist Fakt. Ich denke, also bin ich. Doch wenn wir ganz ehrlich sind, m\u00fcssen wir erkennen, dass Zukunft nichts real Existentes ist, sondern nur ein Spiel unseres Bewusstseins. Es ist einfach nur eine Annahme (Prognose) dessen, was wir uns heute vorstellen k\u00f6nnen, was wahrscheinlich in ein paar Stunden, Tagen oder Wochen passieren wird\/k\u00f6nnte\/m\u00fcsste\/sollte. Wahrsagerei im Grunde. Doch wer der Wahrheit ins Auge blickt, muss feststellen: Morgen ist eigentlich nie.<\/p>\n<p><strong>Aufschieberitis-Mentalit\u00e4t<\/strong> <strong>f\u00fchrt in die Irre<\/strong><\/p>\n<p>Diese aberwitzige Fehlhaltung der Menschen, gedanklich immer nur an die Zukunft zu denken und eher im Morgen als im Hier und Jetzt zu leben, hat sich schon so mancher Kneipenwirt raffiniert zu Nutze gemacht. In nicht wenigen Kneipen steht ein Schild mit der Aufschrift: <em><strong>&#8222;Freibier gibts morgen.&#8220;<\/strong><\/em> Hier ein paar <strong>Beweisfotos<\/strong> (<strong><a href=\"http:\/\/view.stern.de\/de\/picture\/1403652\/Portrait-Kinder-kinderportrait-Freibier-gibts-morgen-People-510.jpg\" target=\"_blank\">1<\/a><\/strong> | <a href=\"http:\/\/a21.idata.over-blog.com\/500x375\/2\/53\/56\/34\/week-19\/week-19_5967.jpg\" target=\"_blank\"><strong>2<\/strong><\/a> | <a href=\"http:\/\/umsetzungsblog.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Freibier_panthermedia.jpg\" target=\"_blank\"><strong>3<\/strong><\/a> ) &#8211; denn ich kann Ihnen ja viel erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Es gibt regelm\u00e4\u00dfig G\u00e4ste, die diesen &#8222;Gag&#8220; noch nicht kennen und von der Aussicht des morgigen Freibiers begeistert sind. Am kommenden Tag torkeln sie dann wieder in die Gastst\u00e4tte und fordern das Freibier vom Wirt. Dieser steht wie immer l\u00e4chelnd hinter dem Tresen und deckt mit spitzb\u00fcbischem Grinsen den Denkfehler in aller K\u00fcrze auf: <em>&#8222;Nein nein meine Herren, Freibier gibts hier erst morgen. So wie es auf dem Schild steht.&#8220; <\/em><br \/>\nUnd so warten die G\u00e4ste seit Jahren auf das Freibier &#8211; denn das Schild h\u00e4ngt immer noch dort und morgen war noch nie. Bisher war immer nur heute &#8211; morgen ist nie.<\/p>\n<p><strong>Aus der Geschichte lernen &#8211; Verschieben Sie nichts mehr auf morgen<\/strong><\/p>\n<p>Vor kurzem h\u00f6rte ich von einer mir gut bekannten Kollegin eine pers\u00f6nliche Geschichte, die in diesem Zusammenhang die wesentliche Erkenntnis auf den Punkt bringt. Der Hintergrund der Geschichte war, dass auch sie viele Menschen kennt, die ihre Bed\u00fcrfnisse mit dem typischen Satz zur\u00fcckstellen: <em>&#8222;Das mache ich sp\u00e4ter.&#8220;<\/em> Sp\u00e4ter? Hat diese Haltung denn noch viel mit Gottvertrauen zu tun oder ist sie nicht eher eine Blindheit f\u00fcr den jetzigen Moment? Woher wissen wir, dass es ein &#8222;Sp\u00e4ter&#8220; geben wird?<\/p>\n<p>Das Erlebnis der Kollegin, die als Schauspielerin arbeitet, hat sich in einem Altenheim in M\u00fcnchen zugetragen. Der Ort der Begebenheit war der Keller dieses Heims, in dem ein Sketch gedreht werden sollte. Der Keller war ein riesiger Raum mit sehr vielen nicht aufeinander abgestimmten M\u00f6beln, die kreuz und quer in der Gegend herumstanden &#8211; Sessel, Tische, kleine Nachtk\u00e4stchen usw.. Zwischen all diesen M\u00f6beln standen unz\u00e4hlig viele blaue M\u00fclls\u00e4cke. Beim genaueren Betrachten der M\u00fclls\u00e4cke konnte man sehen, dass auf jedem dieser S\u00e4cke ein kleiner, von irgendeinem Schulblock lieblos abgerissener Zettel klebte. Auf jedem dieser Zettel stand ein Name und ein Datum &#8211; das Todesdatum der entsprechenden Person. Der Text auf einem dieser Zettel lautete: <em>&#8222;Petra Wimmer, verstorben am 22.07.2012&#8220;<\/em>. In der zweiten Zeile darunter stand: <em>&#8222;Entsorgung September 2012&#8220;<\/em>.<br \/>\nIn diesen S\u00e4cken lagen also die letzten Habseligkeiten sowie die letzten Kleidungsst\u00fccke der verstorbenen Bewohner dieses Altenheims. Die Gegenst\u00e4nde warteten auf die Abholung durch Verwandte oder Freunde der verstorbenen Person&#8230;.und sie warteten darauf oft sehr sehr lange. Zum einen, weil es ab und zu einfach keine Verwandten oder Freunde gab, oder weil es niemanden gab der sich f\u00fcr die Abholung bzw. f\u00fcr die verstorbene Person interessierte. Und so warteten die blauen M\u00fclls\u00e4cke oft vergeblich, bis zum Ablaufdatum. Der Anblick dieser endlos vielen, nicht abgeholten S\u00e4cke war beeindruckend und bedr\u00fcckend zugleich. Die Endlichkeit unserer Zeit wurde in diesem Raum mehr als deutlich. Die Quintessenz eines ganzen langen Lebens &#8211; am Ende zusammengefasst in einem einzigen kleinen blauen M\u00fcllsack. Auf manchen dieser M\u00fclls\u00e4cke lag noch ein Stofftier &#8211; sichtbar abgenutzt und vom kuscheln ganz zerfleddert. Auf anderen S\u00e4cken lag angefangenes Strickzeug und auf wieder anderen lag ein Kinderbild &#8211; wahrscheinlich von einem der Enkelkinder der verstorbenen Person.<br \/>\nDer Blick auf diese Szenerie in dem dunklen, fensterlosen Raum, mit all den vergessenen M\u00fclls\u00e4cken machte sehr nachdenklich. Kein Mensch will alleine sterben, mit dem Wissen, dass das Einzige was von einem \u00fcbrig bleibt, ein blauer M\u00fcllsack ist, der keinen interessiert. Unsere Zeit, um unser Leben mit anderen Menschen zu teilen, die sich vielleicht auch noch f\u00fcr uns interessieren, nachdem unser Herz aufgeh\u00f6rt hat zu schlagen, ist begrenzt! Unsere Zeit mit anderen, k\u00f6nnen wir nicht morgen teilen, sondern nur heute. Und auch unsere Tr\u00e4ume und Ziele k\u00f6nnen wir nicht morgen umsetzen, sondern wir m\u00fcssen heute daf\u00fcr aktiv werden.<\/p>\n<p>Die Erkenntnis aus diesem eindrucksvollen Erlebnis im Altenheim ist: <em>&#8222;Schiebe nicht mehr soviel auf!&#8220;<\/em> Wenn man zu lange auf den Moment wartet, in dem man k\u00f6nnte, verpasst man oft den Moment, in dem man kann.<br \/>\nWelche L\u00e4nder wollen Sie noch bereisen? Welche Menschen wollen Sie mal wieder sprechen oder treffen? Welche Tr\u00e4ume hatten Sie als Kind und wurden dann von Ihnen auf die Seite geschoben, um ein vern\u00fcnftiges Leben zu leben? Wie lange haben Sie schon nichts mehr mit Ihrer Familie, mit Ihrem besten Freund oder Ihrer besten Freundin unternommen, weil alles andere wichtiger war?<\/p>\n<p>Ich selbst habe einen sehr guten v\u00e4terlichen Freund &#8211; er k\u00f6nnte mein Gro\u00dfvater sein. Seit meiner Jugend, habe ich diesen Mann verehrt. Ich h\u00e4tte niemals gedacht, dass mir das Leben die Chance bietet, ihn jemals pers\u00f6nlich treffen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr einige Jahre habe ich fast jede freie Minute mit seinen B\u00fcchern, Kassetten oder Videos verbracht und habe davon getr\u00e4umt, wie es w\u00e4re, ihm einmal pers\u00f6nlich eine Frage stellen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nVor einigen Jahren hat mir das Leben die Chance zu diesem pers\u00f6nlichen Kennenlernen geboten. Seitdem sind wir pers\u00f6nlich eng miteinander befreundet. Doch welche Tendenz habe ich heute, wenn er mich fragt, wann ich ihn wieder einmal besuche? <em>&#8222;Oh ja&#8230;hmmm&#8230;.muss ich mal schauen wann ich wieder in Deiner Gegend bin. Ich habe ja so wenig Zeit und immer soviel zu tun.&#8220;<\/em> Wissen Sie was? Das ist Bullshit!! Mit solchen S\u00e4tzen bescheisst man sich selbst! Fr\u00fcher w\u00e4re ich die 250 Kilometer bis zu ihm zu Fu\u00df gegangen. Und heute wenn ER mich fragt, ob ICH Zeit habe, da er mir einen Teil seiner Lebenszeit schenken will, sage ich, dass ich keine Zeit habe um ihn zu besuchen? Nein, so soll mein Leben nicht aussehen. Ich verschiebe nicht mehr soviel auf sp\u00e4ter. Vielleicht gibt es kein sp\u00e4ter. Und ich will nicht, dass auf mich eines Tages der bewegende Satz zutrifft, den ich vor kurzem gelesen habe: <em>&#8222;An den Gr\u00e4bern der meisten Menschen, trauert tief verschleiert, ihr ungelebtes Leben.&#8220;<\/em><br \/>\nIch will nicht dass es mir so geht. Und ich w\u00fcnsche Ihnen, dass es auch Ihnen niemals so gehen mag. Schieben Sie nichts mehr auf auf morgen.<\/p>\n<div style='text-align:left' class='yasr-auto-insert-visitor'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissen Sie schon, was Sie morgen oder in Zukunft machen? Wenn ja, dann kennen Sie vielleicht ja auch die moderne Volkskrankheit &#8222;Aufschieberitis&#8220;? Sehr viele Menschen leiden an ihr. 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