{"id":694,"date":"2014-05-18T17:24:27","date_gmt":"2014-05-18T15:24:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steffenkirchner.de\/blog\/?p=694"},"modified":"2014-05-18T17:24:27","modified_gmt":"2014-05-18T15:24:27","slug":"warum-wir-das-laestern-nicht-lassen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steffenkirchner.de\/blog\/warum-wir-das-laestern-nicht-lassen-koennen\/","title":{"rendered":"Warum wir das L\u00e4stern nicht lassen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>Wussten Sie, dass bereits die Urmenschen ganz gro\u00df waren im L\u00e4stern? Ja, ein L\u00e4stermaul zu sein liegt uns im wahrsten Sinne des Wortes in den Genen, denn es ist bereits immer und \u00fcberall gel\u00e4stert worden. Der britische Psychologe Robin Dunbar hat in seinen Studien hierzu sehr interessante Erkenntnisse gewonnen. Er beweist u.a., dass L\u00e4stern sogar den Ursprung unserer Sprache darstellt und somit urspr\u00fcnglich etwas Positives war, obwohl es heute als etwas durchaus Negatives gilt. Lassen Sie uns n\u00e4her hinschauen und \u00fcberpr\u00fcfen, in welchem Rahmen L\u00e4stereien sinnvoll sind und wann eher sch\u00e4dlich. <!--more--><\/p>\n<p>Schimpansen tratschen nicht \u2013 okay, das ist keine besondere Neuigkeit f\u00fcr Sie. Neben dem Fressen verbringen sie vielmehr einen Gro\u00dfteil ihrer Zeit damit, sich gegenseitig das Fell zu pflegen und von l\u00e4stigen Parasiten zu befreien. Diese Pflege hat vor allem eine soziale Funktion. Es entspannt, schafft Vertrauen und festigt Beziehungen. Unsere menschlichen Vorfahren jedoch waren nach kurzer Zeit bereits in so gro\u00dfen Gruppen organisiert, dass nicht mehr jeder bei jedem diese Fellpflege h\u00e4tte machen k\u00f6nnen. Der Wissenschaftler Robin Dunbar sagt nun, dass die Sprache nun als Ersatz f\u00fcr die Fellpflege sozusagen \u201eerfunden\u201c wurde, um die sozialen Verbindungen und den Austausch unter den immer zahlreicher werdenden Mitmenschen sicherzustellen. Dunbar\u00b4s Meinung nach ging es bei den ersten Versionen unserer Sprache also nicht um Teambesprechungen f\u00fcr neue Jagdstrategien, sondern um ganz allt\u00e4glichen Urmenschen-Klatsch.<\/p>\n<p><strong>Warum das L\u00e4stern lebensnotwendig war<\/strong><\/p>\n<p>Das L\u00e4stern an sich, sowie der neueste Klatsch und Tratsch, erf\u00fcllt die Funktion eines sozialen Warnsystems: Man erf\u00e4hrt \u00fcber Dritte, wenn jemand boshaft oder hinterh\u00e4ltig ist \u2013 und h\u00e4lt sich von ihm fern. Das ist wichtig f\u00fcrs \u00dcberleben und somit ein seit zehntausenden von Jahren bew\u00e4hrtes Sicherheitssystem. Was sich so lange Zeit bew\u00e4hrt, wird auch als genetische Information abgespeichert und an die n\u00e4chsten Generationen weitergetragen, damit diesen dieses Schutzsystem auch zur Verf\u00fcgung steht. L\u00e4stern isz also vom Ursprung her keine Charakterschw\u00e4che, sondern eine genetisch vererbte \u00dcberlebensstrategie. Dieser Fakt passt zwar nicht in unsere heutige Gesellschaft, wo jeder politisch korrekt und fair \u00fcber andere sprechen will, aber unser Alltag zeigt, dass dies so gut wie keiner schafft. Auch wenn wir noch so sehr wollen \u2013 zumindest mental l\u00e4stern wir st\u00e4ndig \u00fcber andere, indem wir bewerten, beurteilen, kritisieren und vergleichen.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, dass hinter unserem R\u00fccken \u00fcber uns getratscht wird, ist nicht sehr angenehm. Und doch tun wir es selbst st\u00e4ndig. Mehr als ein Drittel der Zeit, die wir miteinander sprechen, drehen sich die Themen um Personen, die gar nicht anwesend sind. Dies fand Robin Dunbar durch seine Studien bereits 1997 heraus. Er hatte mit seinem Forscherteam in Z\u00fcgen, Bars und Einkaufszentren fremde Gespr\u00e4che zu wissenschaftlichen Zwecken belauscht. Fast die H\u00e4lfte aller Plaudereien war reiner Klatsch und Tratsch \u00fcber andere Leute. Dunbar wiederholte die Studie mehrmals, doch die Prozentzahlen blieben die gleichen, egal ob es sich bei den Belauschten um M\u00e4nner oder Frauen, J\u00fcngere oder \u00c4ltere handelte.<\/p>\n<h2>Warum Negatives unsere Aufmerksamkeit st\u00e4rker bindet<\/h2>\n<p>In der 2006 erschienenen Studie des Psychologen Alex Mesoudi waren f\u00fcr die Probanden Geschichten, die sich um Themen wie Untreue oder L\u00fcgen drehten, nicht nur interessanter als andere, sie erinnerten sich auch besser an sie. Eine in der Fachzeitschrift &#8222;Science&#8220; erschienenen Studie zeigte das Forscherteam um Eric Anderson von der Northeastern University etwas sehr interessantes:<br \/>\nSie zeigten den Probanden unbekannte Gesichter zusammen mit positiven, neutralen oder negativen Informationen \u00fcber deren soziales Verhalten. So hatte etwa jemand einer alten Dame beim Einkaufen geholfen, w\u00e4hrend ein anderer versuchte seinen Mitmenschen zu verletzen, indem er ihn mit gr\u00f6\u00dferen Gegenst\u00e4nden bewarf. In einem zweiten Durchlauf schauten die Teilnehmer dann durch eine Art Fernglas, bei der jedem Auge ein anderes Bild gezeigt wird. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Gesichter mit den negativen Informationen am schnellsten und l\u00e4ngsten gesehen wurden, mit gro\u00dfem Abstand zu positiven und neutralen Gesichtern oder den H\u00e4usern. Sie schlussfolgern, dass Menschen, die einmal durch negatives Verhalten aufgefallen sind, danach ganz unmittelbar und unbewusst mehr Aufmerksamkeit bekommen als andere. Das ist f\u00fcr die Betroffenen zwar nicht so angenehm, aber durchaus sinnvoll f\u00fcr alle anderen.<\/p>\n<p>Was lernen wir daraus? Eine wichtige Funktion des L\u00e4sterns ist, m\u00f6glichst schnell m\u00f6glichst viel \u00fcber andere Menschen zu lernen, ohne jeden von ihnen sehr gut kennen zu m\u00fcssen. Von jemandem, der von anderen als unzuverl\u00e4ssig, boshaft oder hinterh\u00e4ltig eingesch\u00e4tzt wird, h\u00e4lt man sich lieber gleich fern, bevor man die erste schmerzhafte Erfahrung macht, oder man geht zumindest vorsichtiger vor, als ohne diese Information.<\/p>\n<h2>In D\u00f6rfern wird mehr gel\u00e4stert<\/h2>\n<p>Je kleiner eine Gemeinschaft ist, desto wichtiger ist die soziale Kontrolle. Darum l\u00e4stern in kleinen D\u00f6rfern weitaus mehr Menschen als in der Stadt, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid an \u00fcber 1000 Menschen herausfand. W\u00e4hrend nach eigenen Angaben in Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern 35 Prozent der Bewohner mehrmals in der Woche \u00fcber Nachbarn und Kollegen tratschen und l\u00e4stern, waren es in St\u00e4dten nur 24 Prozent.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich kann Ihnen dieses Forschungsergebnis aus meiner Erfahrung im Profisport nur zu 100% best\u00e4tigen. Nirgendwo wird mehr gel\u00e4stert als in einer verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen Sportgemeinschaft, bestehend aus 15 oder 25 Spielern\/innen, die t\u00e4glich miteinander zu tun haben. Dies kommt auch durch einen weiteren Vorteil den der Einzelne als Teil der Gemeinschaft durch h\u00e4ufiges Tratschen erh\u00e4lt: Es ist der soziale Vergleich. L\u00e4stern \u00fcber andere, kann n\u00e4mlich auch dabei helfen, sich selbst besser zu f\u00fchlen. L\u00e4stern ist dann ein Weg mit zwei Zielen: Sich \u00fcber andere zu erheben und gleichzeitig in sozial akzeptierter Form Dampf abzulassen. Genau an dieser Stelle k\u00f6nnen und m\u00fcssen wir lernen uns zu kontrollieren. Denn heute besteht nicht unbedingt gleich eine Lebensgefahr wie fr\u00fcher zu Zeiten der Steinzeit, wenn wir \u00fcber jemanden aus dem Dorf oder aus der Firma nicht alle Details wissen. L\u00e4stern ist allerdings auch heute noch genauso eine Form verbaler Aggression und kann damit auch viel Schaden anrichten. Nicht nur beim anderen (Stichwort \u201eMobbing\u201c), sondern auch bei sich selbst.<\/p>\n<p>L\u00e4stern erf\u00fcllt heutzutage mehr und mehr einen machtpolitischen Zweck und weniger den Sinn des Informationsaustauschs, um selbst sicherer zu leben. Es geht in der Regel darum, soziale Machtverh\u00e4ltnisse zu erschaffen, was zur sozialen Isolation von Menschen f\u00fchren kann, was enorme psychische Folgen f\u00fcr die Betroffenen hat. Wer heutzutage \u00fcber jemanden l\u00e4stert, kann davon ausgehen, sich damit selbst auf Dauer ins Abseits zu stellen. Denn L\u00e4stern dient heute mehr dem eigenen Statusdenken und der k\u00fcnstlichen Aufpolierung des angekratzten eigenen Selbstwertgef\u00fchls. Daher sind die L\u00e4ster-Weltmeister in der Regel diejenigen, die selbst am wenigsten zufrieden mit sich selbst und ihrem Leben sind. Schon l\u00e4ngst geht es nicht mehr um Sicherheitsaspekte, sondern vielmehr um die Befriedigung des eigenen Egos, durch die Herabsetzung anderer Menschen.<\/p>\n<p>Wer sich k\u00fcnstlich erhebt, indem er andere klein macht, schadet sich damit in letzter Instanz selbst. Denn die scheinbare Steigerung des eigenen Selbstwerts hat nicht stattgefunden. Die L\u00e4sterattacke wirkt eher wie eine k\u00fcnstliche Droge, um den eigenen Selbstwert kurzfristig zu pushen. Flaut dieser Effekt dann wieder ab (und das tut er innerhalb von wenigen Minuten, nach dem L\u00e4stergespr\u00e4ch), dann f\u00fchlt sich der Betroffene wieder genauso schlecht wie davor. Was ist die Folge? Man greift wieder zur Droge und l\u00e4stert \u00fcber kurz oder lang \u00fcber Gott und die Welt. Die gr\u00f6\u00dften L\u00e4sterm\u00e4uler die Sie kennen sind mit Sicherheit auch die verbittertsten, negativsten und ungl\u00fccklichsten Menschen, die Sie kennen, stimmts? Pr\u00fcfen Sie das doch einfach mal nach und erkennen Sie die Zusammenh\u00e4nge.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund lernen achten Sie in Zukunft auf Folgendes:<br \/>\nWenn Sie sich dabei ertappen, wie Sie gerade wieder \u00fcber etwas oder jemanden l\u00e4stern wollen, fragen Sie sich selbst davor nochmal, ob das was Sie jetzt sagen wollen, wirklich einen Nutzen f\u00fcr denjenigen hat, dem Sie es sagen wollen, oder nicht. Wenn Sie mit Ihren Aussagen vor etwas oder jemandem warnen k\u00f6nnen und das Ganze somit einen sozialen Nutzen mit sich bringt \u2013 okay. Wenn es aber nur dazu dient, Ihre inneren Aggressionen loszuwerden und andere Menschen herabzusetzen, dann lassen Sie es! Und unterbrechen Sie auch Ihre Mitmenschen dabei, wenn diese das in Ihrer Anwesenheit tun. In diesem Fall gilt es, einen anderen Weg zu finden. Man f\u00fchlt sich selbst n\u00e4mlich nicht gro\u00df und gl\u00fccklich, indem man andere klein und ungl\u00fccklich macht. Die L\u00f6sung liegt im anderweitigen Abbau Ihrer inneren Aggressionen und in der St\u00e4rkung Ihres eigenen Lebensgl\u00fccks. Achten Sie auch mal auf folgenden Zusammenhang: Je gl\u00fccklicher und st\u00e4rker sich ein Mensch f\u00fchlt, desto weniger ist er\/sie am l\u00e4stern J<\/p>\n<p>Herzliche Gr\u00fc\u00dfe, Ihr <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/steffenkirchner.de\" target=\"_blank\">Steffen Kirchner Motivationstrainer &amp; Mentalcoach<\/a><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Besuchen Sie mich auch auf meiner <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/steffenkirchner.de?ref=hl\" target=\"_blank\">Facebook Seite<\/a> und abonnieren Sie meinen Video-Kanal <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCZVCBY3k27CCmKxMNzLtedA?sub_confirmation=1\" target=\"_blank\">steffenkirchner.tv<\/a><\/p>\n<div style='text-align:left' class='yasr-auto-insert-visitor'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wussten Sie, dass bereits die Urmenschen ganz gro\u00df waren im L\u00e4stern? 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