Warum Fans mit Profisportlern mitfiebern

Auf Steffen Kirchners offizieller Facebook Fanpage läuft derzeit eine neue Aktion für Fans unter dem Titel „DEINE FRAGE AN STEFFEN KIRCHNER“. Im Rahmen dieser Aktion stellte ein Fan folgende spannende Frage: „Wieso macht es so Spaß mit einem Sportler/einer Mannschaft mitzufiebern? Im Falle der Niederlage folgen nicht selten Momente/Tage der Traurigkeit. Man könnte es sich auch einfach machen und Sportereignisse neutral betrachten und somit seine Laune nicht davon abhängig machen.“ Lesen Sie hier Steffen Kirchners Antwort auf diese Frage.

Es gibt hierfür mehrere Ursachen. Aber im Grunde sind zwei Hauptgründe dafür verantwortlich, warum Fans und Zuschauer mit „ihren“ Sportlern oder „ihrem“ Team so intensiv mitfiebern.
Grund Nr. 1:
Eines der emotionalen Grundbedürfnisse eines jeden Menschen ist der Wunsch nach Mitwirkung. Mitwirkung bedeutet, dass jeder Mensch sich in irgendeiner Form für etwas Größeres als sich selbst engagieren und sich daran beteiligen möchte. Jeder Mensch will sich in etwas Größeres investieren (nicht nur mit Geld, sondern oft auch einfach nur emotional). Menschen wollen teilhaben und helfen, also aktiv mitwirken, ganz gleich ob materiell oder ideell. Aus diesem Grund engagieren sich Millionen von Menschen und Fans mit unglaublichem Herzblut für Sportvereine (der Begriff „Fans“ kommt von „Fanatics“). Aber nicht nur im Sport, sondern auch in anderen Bereichen, versuchen viele Leute teilzuhaben und mitzuwirken, wie beispielsweise bei bestimmten Marken und sozialen Vereinen (z.B. BMW Motorsport Club oder Rotarier). Oder auch für politische Bewegungen & Initiativen, sowie für Umweltorganisationen (z.B. Greenpeace) etc.. Das vordergründige Motiv, dass hier immer befriedigt wird, ist immer das Bedürfnis danach, einen Beitrag zu etwas Großem zu leisten, oder Teil von etwas Großem zu sein.

Grund Nr. 2:
Dieser basiert auf Grund Nr. 1, ist aber noch viel interessanter. Wissen Sie, warum in Wirklichkeit jedes Wochenende hundertausende von Fans z.B. in die Fußballstadien gehen und so extrem mit Ihren Sportlern bzw. Mannschaften mitfiebern? Weil die Sportler, unten auf dem Spielfeld, den Traum der Fans leben! Lesen Sie diesen Satz nochmal, damit Sie wirklich die Bedeutung dieser Aussage verstehen.
Die meisten Menschen haben große Träume in ihrem Leben, die sie allzu oft leider wieder sehr schnell begraben. Viele funktionieren nur noch im Alltags-Routine-Modus. Der Traum-Modus wurde spätestens in der Jugend „offline“ geschaltet, denn „Träume sind Schäume“ haben wir gelernt. „Wenn man erwachsen wird, muss man realistisch denken.“ Sätze wie diese kennen Sie mit Sicherheit mehr als genug. Zu träumen wird jungen Menschen in unserer Gesellschaft zielgerichtet abtrainiert. Träume kann man jedoch nur aus dem Kopf vertreiben, nicht aber aus dem Herzen. Der tiefe innere Wunsch, etwas Besonderes im Leben zu sein, etwas Großartiges aus sich und seinen Möglichkeiten zu machen, mit dem man viele Menschen begeistern oder sogar helfen kann – diesen Wunsch vergisst unser Herz nie. Und jetzt kommt bei hundertausenden Menschen ein klassisches Muster zum tragen, das viele von uns von klassischen Eltern-Kind-Beziehungen her kennen.

Beispiel:
Der Vater war begeisterter Tennisspieler, durfte aber aus Kostengründen in seiner Jugend auf Anordnung seiner Eltern nicht intensiver Tennis spielen. Seine Tenniskarriere endete daher leider auf Bezirksebene, trotz unendlicher Begeisterung und viel Talent für seinen Sport. Sein Berufsleben gleicht nun einem von vielen Hamsterrädern, in denen fleißige, pflichtbewusste Hamster ihrer Aufgabe nachgehen und sich täglich abstrampeln, ohne großartig nach dem Sinn des vorwärts kommens zu fragen. Der Mann aus unserem Beispiel hat in seiner Jugend gelernt „vernünftig“ sein zu müssen. Also lebt er ein vernünftiges, aber eintöniges Leben, fernab seiner Herzenswünsche und Träume. Von Montagmorgen bis Freitagabend quält er sich durch seinen Job, um dann zu versuchen, sich am Wochenende davon zu erholen bzw. abzulenken. Sein Verdienst ist halbwegs okay, seine innere Erfüllung aber ist gar nicht okay, denn seine Träume liegen tief in seinem Herzen vergraben.

Sein Sohn ist nicht der geborene Tennisspieler, sondern macht lieber Musik. Er spielt ganz gerne zum Spaß, bis sein Vater ihn zu einem seiner Turniere begleitet. Was nun kommt, haben viele von Ihnen wahrscheinlich schon mal mit einem Kopfschütteln beobachtet (oder erlebt), denn wie sich manche Eltern teilweise am Rande von Tennis- oder Fußballfeldern bei den Spielen ihrer Kinder aufführen, ist oftmals filmreif und an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Der eigene unerfüllte Wunsch des Vaters (nach der großen Tenniskarriere), wird auf das Kind übertragen. Denn wenn man schon nicht selbst Tennisprofi werden konnte/durfte, dann soll diesen Traum das Kind erfüllen. Ganz nach dem Motto: „Mein Kind soll es mal besser haben als ich.“ Das hat nichts mit Kindererziehung zu tun, sondern mit ist eine Form des Missbrauchs! Denn das Kind wird für die Befriedigung fremder unerfüllten Wünsche und Bedürfnisse der Eltern benutzt und teilweise sogar gegen seinen Willen gebraucht – also missbraucht.

Spätestens jetzt verstehen Sie vielleicht auch, was die vielen Fans in aller Welt an ihren Stars und Mannschaften so extrem begeistert. Es ist weniger die Sportart oder das sportliche Niveau an sich, sondern vielmehr der Fakt, dass diese Sportler etwas Außergewöhnliches aus ihren Talenten und Fähigkeiten machen und viele Menschen außenrum damit begeistern (das Gleiche gilt übrigens für Fans von Musikstars oder ähnlichen Künstlern). Genau DAS wäre es, was sich auch die meisten Zuschauer auch für sich selbst in ihrem eigenen Leben wünschen würden, aber aus verschiedensten Gründen nicht können/machen. Es geht dabei nicht darum, dass jeder Tennisprofi, Fußballer beim FC Bayern oder ein Musikstar werden will. Nein, es geht darum, dass die Spieler und Stars ihren Traum leben und etwas Besonderes aus ihren inneren Fähigkeiten gemacht haben – der Zuschauer aber sieht dabei nur zu.

„Das würde ich auch gerne tun, kann ich aber nicht.“,
so der Tenor der Meisten. Also greift man quasi zur mentalen Ersatzdroge und fiebert wenigstes mit anderen Menschen mit, die ihren Traum leben und die die Aufmerksamkeit und Anerkennung bekommen, die man auch selbst gerne hätte. Durch diese Anfeuerung ensteht zwischen Fan und Sportler/Team eine sehr starke emotionale Verbindung, da sich der Zuschauer mit dem Sportler/Team und dem gewünschten Erfolg identifiziert. Sätze wie Wir müssen heute gewinnen“, oder Wir können Deutscher Meister werden“, sind dann durch die Identifikation an der Tagesordnung. Der Sportler kämpft nicht mehr nur für sein Ziel, sondern genauso auch für meines. Durch diese mental und emotional extrem starke Verbindung, entsteht dann der bekannte Effekt, dass Fans teilweise Weinkrämpfe, Wutanfälle oder Jubelschreie überkommen, während man beim Spiel mit den eigenen Idolen mitfiebert.

Lernlektion:
Leben Sie nicht nur die Träume von anderen, sondern beginnen Sie auch wieder Ihre eigenen Träume zu leben!

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Haben auch Sie eine Frage an Steffen Kirchner, von deren Antwort auch andere Menschen profitieren könnten? Dann schicken Sie uns diese per Email oder per Mail auf unserer Facebook Fanseite zu. Die besten Fragen werden von Steffen Kirchner öffentlich beantwortet. Wir freuen uns darauf!

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