Tikker – Countdown bis zum Tod?

Tikker- Countdowns bis zum Tod?

Tikker- Countdown bis zum Tod?

Eine Uhr namens „Tikker“ zeigt ihrem Träger an, wann sein letztes Stündlein geschlagen hat. Ist diese Idee genial oder Schwachsinn? Lese hier mehr über diese außergewöhnliche Erfindung….

„Mors certa, hora incerta.“ Der Tod ist uns gewiss, aber wir haben keine Ahnung, wann er zuschlägt. Und das ist auch gut so. Denn wer will schon wirklich wissen, wann sein letztes Stündlein geschlagen hat? Schließlich sind wir sehr erfolgreich darin, den Gedanken an den Tod, vor allem an den eigenen, aus unseren Köpfen zu verbannen, ihn vor uns her zu schieben wie eine finale Steuererklärung. Aufschieberitis auf höchstem Niveau. Doch der Schwede Fredrik Colting will uns nun mit einem neuen technischen Hilfsmittel „Tikker“ einen Strich durch die Rechnung machen.

Tikker und sieht auf den ersten Blick aus wie eine stinknormale Armbanduhr aus einem Versandkatalog für Sport und Freizeit. Aber Tikker zeigt nicht etwa den Blutdruck oder den Herzschlag an – sondern die verbleibende Lebenszeit. Die wird als Countdown runtergezählt, gemessen in Jahren, Monaten, Tagen, Stunden, Minuten, und Sekunden. Tick, tack, tick, tack, und wenn sie auf Null stehenbleibt, dann ist Schicht im Schacht.

Die Todesdaten werden statistisch anhand von Fragebögen ermittelt, die beim Kauf einer Tikker-Uhr beiliegen. Es wird u.a. abgefragt, wie es um die Gesundheit des Trägers steht, welche Allergien er hat, unter welchen Krankheiten er litt bzw. leidet. Auch nach genetischen Vorbelastungen innerhalb der Familie wird gefragt, ob der Träger raucht und/oder regelmäßig Alkohol trinkt, was er wiegt und ob er regelmäßig Sport treibt, berichtet die britische Zeitung Daily Mail.

Designer nennen die Uhr „The Happiness Watch“, also die „Glücksuhr“. Sie soll Menschen keine Angst machen, sondern ermutigen, ihr Leben sinnvoller zu gestalten. Denn Fredrik Colting glaubt fest daran, dass Menschen bewusster mit ihrer Zeit umgehen, wenn sie durch Tikker wissen, wie viel – bzw. wie wenig – ihnen noch bleibt. Der Erfinder sagt: Das Leben hat ein Mindesthaltbarkeitsdatum!

Ob diese Uhr tatsächlich die noch verbleibende Lebenszeit berechnen kann, ist mehr als fraglich. Und ob es sinnvoll ist, mit dem Ziel auf die Uhr zu schauen, wieviel Zeit man noch hat und dabei keine Angst zu bekommen, ist nicht nur fraglich sondern sogar unwahrscheinlich. Ich persönlich finde die Erfindung von Tikker grundsätzlich eine ziemliche Schnapsidee und eher negativ als positiv. Denn hier wird über die Emotion von Angst gearbeitet, was eher zu noch mehr Hektik und Stress führt, als zu Bewusstheit und Lebensgenuss. Mit jedem Blick auf die Uhr, vergeht die Zeit bis zum Tod eher doppelt so schnell, denn wie sich die Lebenserwartung verändert, wenn man sich angstvolle Gedanken vor dem auf einen zueilenden Tod macht, dürfte jedem einleuchten. Im Endeffekt ist Tikker nichts anderes als ein Marketing-Gag, im Gewande eines Lebenshilfe-Tools. Ein armseliger Versuch, Menschen scheinbar etwas Gutes tun zu wollen.

Dennoch bringt mich die Erfindung von Tikker auf einen interessanten Gedanken und macht mir tatsächlich eine Sache wieder stärker bewusst. Unser Zeit ist begrenzt. Jeder Mensch besitzt nicht nur ein Bankkonto und ein Lebensenergiekonto, von dem es Ein- und Auszahlungen gibt, sondern auch ein Zeitkonto. Was diese Uhr nicht berücksichtigt ist, dass wir unsere Lebenszeit durch positive Einstellung, Gedankenhygiene, die Trennung von negativen Menschen, die Kündigung von einem kraftraubenden Job uws. auch wieder verlängern können. Es gibt keinen vorbestimmten Zeitpunkt bis zum Tod, den man in irgendeiner Form errechnen kann. Es gibt nur Methoden und Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit der persönlichen Lebenserwartung verkürzen oder auch verlängern können.

Daraus ergibt sich für mich folgende spannende Frage: Was können wir HEUTE dafür tun, um wieder etwas auf unser Lebenszeitkonto einzuzahlen? Welche Gedanken müssen wir denken, welche Gefühle sollten wir mehr fühlen, welchen Tätigkeiten möchten wir mehr nachgehen und mit welchen Menschen haben wir uns verstärkt zu umgeben, damit unsere verbleibende Lebenszeit vielleicht nicht nur länger, sondern vor allem auch erfüllter wird?
So schwachsinnig diese Tikker-Uhr auch ist – dieses verstärkte Bewusstsein für das WIRKLICH WICHTIGE im Leben hat sie mir heute geschenkt. Danke dafür.

Liebe Grüße, Steffen Kirchner

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2 Gedanken zu „Tikker – Countdown bis zum Tod?

  1. Hallo Steffen,
    ich fände es toll so eine Uhr zu haben, denn ich habe absolut gar keine Angst vor dem Tod und wenn ich mir über die verbleibende Zeit hin und wieder bewusst wäre, dann würde ich wirklich anders leben. Ich würde mich zum Beispiel nicht mehr über sinnlose Dinge ärgern, wäre doch schade damit seine Zeit buchstäblich zu verschwenden.
    Generell ist diese Uhr natürlich eine Schnapsidee, denn die meisten Menschen würden Angst bekommen und die Uhr könnte auch niemals die genaue verbleibende Zeit anzeigen.
    Aber dein Beitrag hat mich aufgerüttelt, denn auch wenn wir es nicht sehen, die Zeit läuft und ich möchte sie genießen so gut es geht und so viel lernen wie ich kann und so viele Wunder entdecken wie nur möglich.
    Danke Steffen, wenn ich mich morgen wieder über meinen Arbeitskollegen ärgern muss, dann denke ich an die Uhr :D
    Lieber Gruß,
    Simone

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