Wie kann man verzeihen lernen?

“Das werde ich dir nie verzeihen!” ist einer der schlimmen Sätze, die nicht nur eine Beziehung restlos zerstören, sondern auch die eigene Lebensqualität extrem negativ beeinflussen. Wer anderen nicht verzeihen kann, schadet damit nämlich vor allem einer Person: sich selbst. In diesem Artikel möchte ich Dir meine 5 besten Tipps dazu geben, wie Du lernen kannst, anderen Menschen nach Enttäuschungen zu vergeben.
(Hinweis: Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf einem Artikel des wunderbaren Online-Magazins www.zeitzuleben.de. Den Orignialartikel findest Du HIER.)

Viele Menschen glauben unbewusst, jemand anderen damit zu bestrafen, indem sie ihm/ihr nicht mehr verzeihen und die Person für immer in der Schuld stehen lassen. Der Grund dafür ist Rache, denn man möchte sich damit für die selbst erlittenen Schmerzen aus erfahrenen Enttäuschungen, Verletzungen, Lügen etc. revanchieren. Menschlich nachvollziehbar, aber trotzdem weder nützlich, noch sinnvoll.

In dem wir anderen nicht verzeihen, verhängen wir zwar durchaus eine gewisse Art von  Strafe. Doch wir übersehen dabei, dass wir uns selbst damit mindestens genauso, wenn nicht noch mehr bestrafen, da wir die Hass- und Wutgefühle in unserem Inneren damit am Leben erhalten. Wer Fehler nicht vergibt, hindert sich selbst damit gleichzeitig daran, das Ganze vergessen und verarbeiten zu können. Somit bleibt man in einer emotionalen Endlosschleife gefangen und hält den Schmerz am Leben, den man bereits erfahren hat. Es ist fast so, als würden wir selbst das Messer, das in der Wunde steckt, immer wieder umdrehen.

Was Dir das Verzeihen bringt

Die Fähigkeit, verzeihen zu können ermöglicht es, dass Deine mentalen und auch emotionalen Wunden heilen können. Im Grunde ist das Verzeihen ein Prozess des Loslassens. Wer die Wut aus alten Verletzungen immer weiter mit sich herumschleppt, kann sich auch nie von ihren gravierenden Folgen für Körper, Geist und Seele erholen. Vinzenz von Paul (Begründer der neuzeitlichen Caritas im 18. Jahrhundert) sagte seinerzeit einmal: „Die empfangene Ungerechtigkeit zu verzeihen,
bedeutet sich selbst die Wunde seines Herzen heilen.“

Er hatte mehr als Recht mit dieser Aussage. Verzeihen ist ein Akt der aktiven Lebensgestaltung, denn wir übernehmen damit Eigenverantwortung. Wer verzeiht, lässt nicht zu, dass andere Menschen oder Ereignisse das eigene Leben dauerhaft negativ beeinflussen und Schmerzen verursachen können. Wer vergeben kann, öffnet sich für neue, positivere Lebenserfahrungen.

Verzeihen können zeigt Stärke

“Verzeihen ist keine Narrheit, nur ein Narr kann nicht verzeihen“, heißt es in China. Wir irren, wenn wir Verzeihen als ein Zeichen von Schwäche sehen. In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. Es erfordert eine ganze Menge Kraft und Stärke, bereit zu sein, mit erlittenem Unrecht abzuschließen. Das Potenzial an Kraft, Stärke und Glücksgefühl, dass hinter der Bewältigung dieser schwierigen Aufgabe jedoch steht, ist von enormer Größe.

Eine Sache ist dabei ganz wichtig: Etwas zu verzeihen heißt nicht, es in Ordnung zu finden, was geschehen ist. Wenn wir verzeihen, heißen wir damit das, was der andere getan hat, nicht automatisch gut. Wir können es nach wie vor “falsch” finden, “niederträchtig”, “unangemessen”, “kriminell” oder was auch immer. Was wir lediglich entscheiden ist, es nicht länger zuzulassen, dass die Tat unser eigenes Lebensgefühl dauerhaft negativ beeinflusst. Die Tat selbst aber wird dadurch nicht besser – jedoch unser Umgang damit.

Verzeihen ist keine Hauruck-Aktion

Gäbe es einen Knopf, mit dem man das Verzeihen von jetzt auf nachher einschalten könnte, wäre die Sache deutlich leichter. Es erfordert aber meistens ein sehr behutsames, schrittweises Vorgehen, damit die Verletzung Stück für Stück verarbeitet und aufgelöst werden kann. Lass Dir also Zeit und gestehe Dir auch vorübergehende Rückschläge in diesem Prozess ein. Lass Dich auch von niemandem drängen oder unter Druck setzen. Heilung ist keine Frage von Geschwindigkeit, sondern von Sorgfalt..

5 Tipps, um verzeihen zu lernen

Tipp 1: Finde heraus, was genau es wirklich zu verzeihen gibt

Einige Verletzungen, die wir erlitten haben, sind offensichtlich. Wenn Dich jemand betrügt oder Dein Vertrauen auf sonstige Weise missbraucht, ist der Fall klar. Anderes liegt tiefer, manches haben wir auch verdrängt (z.B. wenn Eltern in ihren Kindern bewusst Schuldgefühle entwickelten, nur um sie damit dann besser kontrollieren zu können). Nimm Dir etwas Zeit und Ruhe und überlege Dir, was und wem Du ganz persönlich alles zu verzeihen hast. Erstelle eine Liste von Themen,

  • für die Du heute noch auf jemanden wütend bist,
  • die Dich verletzt haben und die heute noch schmerzen,
  • für die Du am liebsten Rache nehmen bzw. Dich bei jemandem revanchieren möchtest.

Ich habe es erlebt, dass sich so manches Problem schon beginnt aufzulösen (oder zumindest leichter zu werden), wenn man es nicht verdrängt, sondern auf diese Liste schreibt. Denn man kann nur die Dinge verarbeiten, mit denen man sich aktiv auseinandersetzt. Mir ging es oft so, dass ich mich in die Zeit zurückversetzt habe, in dem die Verletzung entstand und mir überlegte, was damals eigentlich geschah. In manchen Fällen musste ich mir selbst eingestehen, dass das Ganze aus meiner heutigen Sichtweise eigentlich entweder Nebensächlichkeiten bzw. Kindereien waren, oder auch teilweise durch meine eigenen Fehler verursachte Probleme, die absolut unnötig waren. Über manche Punkte konnte sich sogar aus meiner heutigen Sicht schon lachen, da sie für mein Leben wirklich keine bedeutende Rolle spiel(t)en und es überhaupt keinen Sinn macht, solch einer Lappalie soviel Aufmerksamkeit zu schenken, in dem man nach wie vor deshalb Frust vor sich herschiebt.

Streiche solche Punkte also gleich von Deiner Liste und beschäftige Dich mit dem wirklich Wesentlichen, was es zu verzeihen gilt. Arbeite an Punkten, die es wirklich Wert sind, sich darüber intensiv Gedanken zu machen.

Tipp 2: Von der Seele schreiben

Auch wenn Du eine bestimmte Verletzung schon jahrelang mit Dir herumträgst und vielleicht auch schon x mal darüber geredet hast, ist es sehr hilfreich, sich die ganze Sache einmal gezielt von der Seele zu schreiben. Beim Schreiben strukturieren wir unsere Gedanken, gewinnen Klarheit, erleben bestimmte Dinge emotional nochmals sehr intensiv und haben das Gefühl, das Ganze auch wirklich auf den Punkt nach außen gebracht zu haben. Unterschätze diese Wirkung nicht. Das Niederschreiben hat eine andere Wirkung als das Sprechen. Reden kommt überwiegend aus dem bewussten Verstand, doch das Schreiben dokt zumeist an viel tieferen Schichten des Unterbewusstseins an und verursacht komplett andere Verarbeitungsprozesse. Es können Gefühle zum Vorschein kommen, die davor Jahre lang unterdrückt waren.

Nimm Dir also einmal Zeit und Ruhe und beschreibe eine Situation, die für Dich sehr schmerzlich oder verletzend war/ist. Schreibe auf, was genau geschah. Schreibe auf, was in Dir vorging, als es geschah und wie Du nun empfindest. Nimm kein Blatt vor den Mund und formuliere genau so wie Du es fühlst, was Dir angetan wurde und was so Schlimm für Dich daran ist. Ich persönlich verfasse so etwas immer als Brief und adressiere ihn an denjenigen, dem ich das Ganze sagen möchte. Diesem Menschen, dem ich bisher offensichtlich etwas noch nicht verziehen habe, werfe ich in diesem Brief absolut unzensiert alles an den Kopf, was mir einfällt. Alles darf jetzt einfach mal raus, ohne gleich wieder den moralischen Finger der Vernunft zu erheben und sich selbst zu mehr Respekt zu disziplinieren. Das wäre Bullshit! Hau alles an negativen Gefühlen raus, was nur geht!

Und dann: Werfe diesen Zettel fort, oder verbrenne ihn. Dieses symbolische Vernichten des Geschriebenen kann eine sehr befreiende Wirkung haben. Wenn Du willst, kannst Du Dir vor dem Schreiben sogar vornehmen, diesen Brief der Person womöglich sogar eines Tages mal zu zeigen. Ich persönlich habe das noch niemals wirklich gemacht – aber alleine das Gefühl beim Schreiben, dass diese Person diese Zeilen wirklich mal um die Ohren geknallt bekommt, kann echt gut tun :-)

Tipp 3: Entwickele Rituale

Rituale helfen vielen Menschen beim Loslassen. Hier einige Anregungen dazu:

  • Symbolische Verabschiedungen: Wenn Du über Dein schmerzhaftes Erlebnis geschrieben hast, kannst Du mit diesem Blatt die Macht der Symbole nutzen, um kraftvoll loszulassen. Verbrennen und zerreißen – das tut den meisten Menschen sehr gut. Du darfst dabei natürlich auch weinen. Starke Menschen, lassen ihre Gefühle zu. Du kannst Dir auch ein Symbol für die Tat aussuchen und dieses z.B. mit einem Luftballon in den Himmel schicken. Wichtig ist, dass Du etwas wählst, was für Dich “Loslassen” und “Abschied nehmen” so plastisch wie möglich symbolisiert.
  • Eine weitere Möglichkeit ist, ein Foto von der Person (oder eine Zeichnung oder auch nur den Namen) vor sich hinzulegen und dann laut zu ihr zu sprechen. Du darfst hier ruhig noch einmal Deiner Wut oder Enttäuschung Ausdruck verleihen. Gehe dann aber dazu über so etwas zu sagen, wie: “Jetzt ist aber Schluss damit. Das gehört der Vergangenheit an und ich lebe mein Leben ab jetzt frei und mit Blick nach vorne. Ich verzeihe dir jetzt, damit es einen neuen Anfang gibt.” Diese Sätze sind nur ein Vorschlag. Wähle Formulierungen für Dich, die Du mit innerer Überzeugung sagen kannst und spreche sie laut aus.
  • Vielen Menschen helfen auch die so genannten Affirmationen. Suchen Dir dazu zwei oder drei besonders kraftvolle Sätze aus und sage Dir diese mehrmals am Tag selbst laut vor oder schreibe sie auf. Beispiele könnten sein: “Ich übernehme Verantwortung für mein Leben und lasse die Vergangenheit (oder bestimmte Menschen) hinter mir.“ Oder: „Je mehr ich Menschen ihre Worten und Taten verzeihe, desto freier und glücklicher werde ich. Daher verzeihe ich heute Person XY für das, was sie getan hat.” Auch das sind nur Vorschläge von mir. Wähle eigene Affirmationen, die für Dich passen.
  • Nutze besondere Kalenderdaten. Die meisten Menschen, die ein Unrecht nicht verzeihen können, wissen sehr genau, wann es ihnen angetan wurde. Jahrestage sind wegen ihres Symbolgehalts für solche Verzeihensübungen deshalb ein besonders gutes Datum. Genauso sind auch Monatserste oder andere symbolträchtige Daten äußerst hilfreich, um einen psychischen Cut leichter durchführen zu können.

Tipp 4: Manchmal hilft die andere Sicht

Wenn wir verletzt worden sind oder uns ein Unrecht angetan wurde, nehmen wir verständlicherweise zunächst nur uns selbst und unseren Schmerz wahr. Wenn wir aber nach der ersten akuten Enttäuschung aus einem gewissen Abstand auf das Ereignis schauen, können wir auch unser Gegenüber wahrnehmen, also den Menschen, der uns verletzt hat. Das entschuldigt nicht grundsätzlich die Tat an sich, aber es kann Dir helfen, zu verstehen, warum die Person das getan hat. Versuche Dich mit etwas zeitlichem Abstand, in die Menschen und seine Situation einzufühlen. Vielleicht kannst Du seine Reaktion dann besser verstehen oder eventuell auch einen eigenen Anteil erkennen, der zu dem Problem beigetragen hat.

Tipp 5: Kümmere Dich um die Botschaft, nicht um die Strafe

Dieser letzte Punkt, hat mir bei den größten Verletzungen und Enttäuschungen in meinem Leben am meisten geholfen. Irgendwann habe ich erkannt, dass es ein universelles Gesetz des Ausgleichs gibt. Das bedeutet, dass das Leben Recht und Unrecht, Gutes und Schlechtes früher oder später immer wieder ausgleicht. Wenn Menschen etwas sehr Hinterhältiges machen, große Betrügereien und Respektlosigkeiten begehen oder was auch immer, so erhalten sie für diese Taten früher oder später immer eine sehr saftige Quittung. Jede Rechnung im Leben muss bezahlt werden. Nicht immer sofort und manchmal auch über Umwege. Aber Du kannst zu 100% davon ausgehen, dass ein Mensch, der viele seiner Mitmenschen schlecht behandelt und großes Unheil über andere bringt, dafür auch bezahlen muss und große Lektionen vom Leben bekommen wird, die seine eigene Lebensqualität erstmal massiv einschränken werden. Das Gesetz des Ausgleichs funktioniert natürlich genauso auch für positive Taten. Wer Gutes in die Welt hineingibt, wird dafür auch eines Tages belohnt werden. Es ist das alte Prinzip von Saat und Ernte. Man bekommt nicht das, was der Acker hervorbringen will, sondern man bekommt das, was man selbst gesät hat. Das Leben MUSS das hervorbringen, was wir durch unsere Gedanken, Worte und Handlungen säen.

In diesem Zusammenhang habe ich gemerkt, dass Menschen, die mich in der Vergangenheit betrogen haben, vom Leben dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Daraus lernte ich, dass ich mich um die Strafe für einen Menschen nicht kümmern muss. Er bestraft sich durch seine Tat selbst und wird dafür bezahlen müssen – manchmal sogar noch etwas mehr, als erwartet (das ist wohl so eine Art „Strafzins“ des Lebens :-)). Was für mich also lediglich von Bedeutung ist ist, die Botschaft des Ganzen zu verstehen. Wie werde ich aus dieser Situation besser? Was kann ich nächstes Mal anders machen? Was lerne ich daraus? DAS sind die Botschaften, die uns im Leben weiterbringen. Und mit diesem Wissen, dass ALLES was uns im Leben passiert, besser machen kann und uns ein Mensch diese Lektion nur als eine Art Trainingspartner gegeben hat (für die er wiederum auch selbst wieder gradestehen muss), machte es mir deutlich leichter, bestimmten Leuten schnell verzeihen zu können und gegen niemanden einen Groll zu hegen. Ich verspreche Dir: Das macht das eigene Leben wirklich leicht und glücklich!

Liebe Grüße und viel Erfolg beim Verzeihen wünscht Dir,

Dein Steffen Kirchner

36 Gedanken zu „Wie kann man verzeihen lernen?

  1. hallo steffen,
    ich glaube auch immer schon, dass was man gibt bekommt man auch zurück. vielleivht nicht gleich, aber irgendwann schon. verzeihen ist nicht leicht, aber du hast recht damit, wenn man es loslässt und nicht sein leben mit sich herumträgt. es schränkt ein nur in seiner eigenen entwicklung im leben ein. sicher ist es nicht leicht zu praktizieren, kommt auch immer auf die größe der verlrtzu g an. loslassen zeigt für mich stärke. schwach sind die, die nicht vergessen können und sich dadurch selbst blockieren in ihrer entwicklung. keiner ist perfekt, was auch gut ist, auch ich habe sicher schon menschen odrr auch einem tier weh getan u d war froh, dass man mir verziehen hat. wer das kann ist stark und großzügig. du hast mich wieder mal dazu gebracht, über mich nachzudenken. :-)

  2. Hi!
    Es ist irgendwie für mich teilweise unglaublich, dass manche Sachen die du in deine Berichte schreibst,sind mir persönlich auch passiert. Wie zum Beispiel:
    „ Das bedeutet, dass das Leben Recht und Unrecht, Gutes und schlechtes früher oder später immer wieder ausgleicht. Wenn Menschen etwas sehr Hinterhältiges machen, große Betrügereien und Respektlosigkeiten begehen…„(Steffen Kirchner). Eigentlich, habe ich mir immer wieder Kopf darüber gemacht… und es ist gut so… ABER es tut richtig,richtig Weh wenn man Unfair und ungerecht behandelt wird … und weiß man auch nicht WARUM?… Ausrede?…Missverständnisse?.(Verzeihen habe ich schon aber vergessen nicht!)
    Dank deine Gedanken, Impulse hast du mir meine Augen geöffnet.
    Grüße Claudia

  3. Hallo Steffen,

    Deine kleine „Anleitung“ hat mir wirklich sehr geholfen. Ich konnte jahrelang meinem Bruder wegen mehrerer schlimmen Dinge nicht verzeihen und habe gemerkt, dass es auch nichts bringt, einfach nur den Kontakt abzubrechen, da man sich bei Familienfeiern ja doch immer wieder über den Weg läuft. Davor hatte ich jedesmal Bauchschmerzen vor Wut, weil ich mir immer dachte, dass wenn die anderen so wüssten, was mein Bruder sich geleistet hat, würden Sie vielleicht anders mit ihm umgehen. Man kann wirklich sagen, dass ich voller Hass war, obwohl ich einfach nur wollte, dass er mir egal ist. Nachdem ich mir alles von der Seele geschrieben habe, bin ich zu ihm gefahren und habe gesagt: „Du hast Dich bis heute nicht entschuldigt und ich finde es immer noch Scheiße, was Du getan hast, aber ich verzeihe Dir.“ Seitdem geht es mir so viel besser und wenn wir uns begegnen, ist es so als würde ich einen Bekannten sehen.

    • Vielen Dank liebe Julia für Dein wertvolles Feedback. Mein Respekt an Dich, für Deinen mutigen und selbstbestimmmten Schritt. Damit hast Du Dich als Mensch persönlich ein großes Stück weiterentwickelt und dazu möchte ich Dir herzlich gratulieren!
      Viele Grüße, Steffen Kirchner

  4. Manchmal ist verzeihen extrem schwer, gerade bei Menschen, denen man vertraut hat und die dich fallenlassen wenn du nicht so funktionierst wie sie es erwarten. Es tut verdammt weh und ich habe bisher meistens abgeblockt und gar keine Gefühle mehr zugelassen, eine Art Selbstschutz. Aber auf Dauer ist es keine Lösung, mit der Zeit gelingt auch das verzeihen und das mit dem Brief schreiben werde ich jetzt gleich umsetzen damit die Reste von Groll auch noch verschwinden. Danke Steffen.

  5. Ich wurde kürzlich von meiner Schwester und meiner Mutter in einer Sache tief verletzt und bin unglaublich traurig darüber. Ihnen zu verzeihen ist noch zu früh, doch wenn ich mich bereit fühle, werde ich Ihre Tipps beherzigen.
    Meine Frage ist – nach Lesen des Artikels – ob diese Verletzung gegen mich nun die Strafe für etwas ist, das ich bei anderen angerichtet habe. So Karma-mäßig.
    Schönen Gruß

    • Liebe Yvonne,
      als Strafe würde ich es nicht bewerten. Aber frage Dich dennoch: Was sagt mir dieser Vorfall über mich und mein Verhalten? Was lerne ich daraus? Worauf will mich das Leben damit womöglich aufmerksam machen?
      Jeder Vorfall im Leben hat die Möglichkeit uns besser zu machen, wenn wir daraus etwas über uns und unser Leben lernen. Jedes Problem enthäpt einen Handlungsauftrag, das eigene Verhalten zu reflektieren und ggf. zu verbessern.

      Viele Grüße, Steffen Kirchner

  6. Hallo Stefffen,
    ich bin beim googeln „wie verzeihe ich meinem Ex-Partner“ auf Ihren Post aufmerksam geworden. Vor einem Jahr habe ich mich von heute auf morgen von meinem Mann getrennt. Er hatte seit 7 Monaten eine Freundin mit der er seit November eine Tochter hat. Er hat also richtig Gas gegeben. Wir waren im letzten Jahr 35 Jahre verheiratet und es fällt mir sehr schwer diesem Verrat und Betrug zu verzeihen. Ich merke aber immer mehr, das ich vergeben muss, damit ich meine Ruhe und meinen inneren Frieden wieder finde. Ich werde nie vergessen was er nach fast 40 jähriger Partnerschaft getan hat, aber ich hoffe ihm vergeben zu können damit es mir wieder gut geht. Herzliche Grüße

    • liebe birgit. mir ist es ganz ähnlich ergangen, wenn auch ich mit meinem ex-mann nicht ganz so lange zusammen war wie du. wurde vor 2jahren, nach 13jahren ehe unter heuchlerischem vorwand verlassen, nur um dann nachher herauszufinden, dass da bereits jemand anders war. letzte woche hab ich erfahren, dass nun ein kind unterwegs ist. mir fällt es auch unglaublich schwer, das alles hinter mir zu lassen, geschwiege den zu verzeihen. mir kommt es so vor, verzeihen –> entschuldigen. wenn ich das oben lese, liege ich wohl aber falsch damit und muss zuerst meine einstellung ändern um zu verzeihen zu können.
      dir weiterhin viel kraft und alles gute. liebe grüsse

      • Mir geht es auch ähnlich und es fällt mir so schwer, zu verzeihen. ich war 13 Jahre mit meinem Freund zusammen. Nach 10 Jahren Beziehung erwartete ich ein Kind. Und er hat mich damals dazu gebracht, dass wir das Kind nicht bekommen. Er fühlte sich zu jung und wollte einfach nicht. Ich habe gefleht, dass er es sich überlegt, aber er wollte nicht. Das ist nun 5 Jahre her. Und ich bin seit 3 Jahren von ihm getrennt. Ich bin seit über 2 Jahren wieder in einer Beziehung. So glücklich wie noch nie. Mein neuer Freund ist einfach der Beste! Mein Ex-Freund ist auch seit Längerem wieder in einer Beziehung. Das habe ich ihm auch gegönnt, weil ich trotz allem immer noch viel Respekt für ihn hatte. Anfang des Jahres habe ich nun erfahren, dass er mit seiner neuen Partnerin ein Baby bekommt. Da bin ich ausgeflippt! Das hat alles wieder hoch gebracht und ich leide seitdem jeden Tag. Ich habe ihm bitterböse geschrieben und alles nochmal vorgeworfen und den Kontakt komplett abgebrochen. Ich könnte es nicht ertragen, sein Baby zu sehen. Es ist nur 5 Jahre her, dass ich ein Baby von ihm erwartet hatte. Er wollte nicht und schwups nun will er doch. Erschwerend kommt hinzu, dass ich mit der Liebe meines Lebens seit über einem Jahr versuche, schwanger zu werden. Und diese Ungerechtigkeit bringt mich um den Verstand. Mein Ex wollte damals nicht, zwang mich zu so einem Schritt und darf nun Vater sein und ich leide seitdem jeden Tag unter der damaligen Entscheidung und würde so gerne eine Familie haben und es klappt einfach nicht mehr.
        Ich merke immer mehr, dass ich ihm verzeihen muss, um wieder unbelastet mit dem Thema umgehen zu können und endlich meine eigene Familie gründen zu können. Aber es fällt mir einfach so schwer. Die Verletzung und die Trauer sitzen so tief. Ich bleibe dran. Es muss einfach klappen! Ich tue mir so einfach nichts Gutes. Ich bin voller Traurigkeit. Und am Ende wünsche ich mir einfach nur, dass ich ohne diese innere Belastung glücklich sein kann! Mit meinem neuen Freund. Und meinem Ex Freund sein Glück auch gönnen kann.

        • Nina, ich wünsche dir viel Kraft und alles Glück der Welt.
          Auch ich versuche einen Weg zu finden um meinem Mann nach 25 Jahren Ehe zu verzeihen.

  7. Es gibt so Vieles was ich verzeihen müsste. So richtig funktioniert das bei mir nicht. Mein Vater meine Mutter, meinen Geschwister, in der Schule meinen Mitschülern. So viele Menschen die mir schaden wollten, immer noch wollen. Für mich ist Verzeihen gar nicht so schwer. Doch Niemand hat sich bei mir wirklich dafür entschuldigt, jeder hatte sich dazu berechtigt gefühlt mir weh zu tun

    • Liebe Sandra, womöglich wäre es ein hilfreicher Gedanke für Dich, diesen Menschen nicht ihre Taten zu verzeihen, sondern erstmal, dass sie nicht die Kraft haben, sich bei Dir entschuldigen zu können. Überlege Dir außerdem, wie schlecht sich Menschen selbst fühlen müssen, um mit anderen Leuten (in dem Fall Dir) so umzugehen. Ein schlechter Umgang mit anderen entsteht, wenn man sein eigenes inneres schlechtes Gefühl nach außen kehrt und über andere versucht zu verarbeiten. Der Wunsch der in diesen Menschen eigentlich vorherrscht ist, sich selbst besser bzw. wirklich gut und glücklich zu fühlen, was nicht der Fall ist. Würden sie sich wirklich gut, glücklich, frei und selbstbewusst fühlen, würden sie mit Dir (und auch anderen Personen, Du wirst nicht die einzige sein) nicht so umgehen. Versuche daher den Gedanken, diesen Menschen zu vergeben, da sie selbst in einem so negativen Kreislauf gefangen sind, dass sie es nicht schaffen anders mit Dir umzugehen, auch wenn es einen Teil in ihnen gibt, der das gerne würde. Das bedeutet zugleich allerdings nicht, dass Du Dir das gefallen lassen musst. Ziehe Deine Konsequenzen und wende Dich von Menschen ab, die nicht respektvoll mit Dir umgehen. Dazu hat NIEMAND das Recht – auch Familienmitglieder nicht. Das ist DEIN TEIL der Aufgabe an dieser Situation.
      Viele Grüße und alles Gute, Steffen Kirchner

  8. …Und mir geht es nicht darum anderen zu schaden, die mir weh getan haben. Sondern ich selber fühle mich so wertlos und glaube immer noch alles was man mir eingeredet hat, dass ich ein Nichts ein Niemand bin, zu dumm für alles. Ich hasse mich selber am meisten

  9. Es ist natürlich schon so, dass ich in jedem der potenzielle Täter sehe, der nur schlechtes in mir sieht, der mich runter machen will, und ich dadurch auch immer das Gefühl habe mich ständig vor Anderen beweisen zu müssen, um ernst genommen zu werden, und dann erst recht schaut man auf mich herab.

  10. ich will das ohne Psychologen schaffen. Ich halte nichts von Psychologen, absolut nichts… Ich bin eine starke Persönlichkeit. Ich habe so viel alleine durchstehen müssen. Ich brauche nur eine Anleitung dazu.

    • Es ist keine Auszeichnung, sowas „ohne Psychologen zu schaffen“. Es ist eine Dummheit. Wenn Dein Auto repariert werden muss, holst Du Dir einen Mechaniker. Wenn Dein Fuß gebrochen ist, einen Arzt. Aber wenn Deine Seele Hilfe braucht, dann dokterst Du alleine rum?? Sorry, kann ich nicht für gut heißen und empfehle das Gegenteil. Es gibt einfach Dinge Sandra, da muss man sich helfen lassen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Wirklich starke Persönlichkeiten (und ich habe mit unzähligen gearbeitet), holen sich psychologische Unterstützung und Beratung. Damit solltest Du erstmal anfangen, denn auch das hat mit Selbstwert zu tun, Hilfe annehmen zu können. Daher nochmal meine Empfehlung: Hol Dir Unterstützung.
      Alles Gute für Dich, Steffen Kirchner

  11. Nochmal: Ich empfehle Dir mit Deinen eigenen Deutungen und Analyseversuchen aufzuhören und mit einem Profi die Sache anzuschauen, wie sie wirklich ist. Denn sogar wenn Du Recht hättest, bringt Dich diese Erkenntnis noch nicht zur Lösung, da Du Methoden und Strategien brauchst, wie Du Verzeihen kannst. Mit nachdenken und analysieren ist es nicht getan. Hol Dir Hilfe.
    An dieser Stelle ist meine Hilfestellung hier jetzt auch beendet. Ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg auf Deinem Weg.

  12. Wie kann man verzeihen?
    Wie kann man das tun, wenn man so betrogen worden ist? Wie kann man verzeihen und loslassen wenn man die Person noch liebt und nicht versteht warum sich der Partner so schnell getrennt hat? Wie kann man dem Herzen beibringen, das man verzeiht und loslässt?

  13. Mir geht es sehr schlecht, weil ich meinem Mann nicht verzeihen kann, dass er mich mit einer Bemerkung “ angetriggert“ hat, obwohl er weiß, dass ich dadurch wieder krank werden kann. Ich habe eine Angsterkrankung und bin seit Jahren in Behandlung. Ich liebe meinen Mann, bin aber desillusioniert, ich glaube, er ist nicht der, den ich zu kennen glaubte. Ich muss mich wieder aus dem Sumpf kämpfen, das ist so ungerecht.

  14. Hallo mein Name ist Anna.Ich wurde von meiner Mutter so endtauscht und verletzt, Ich bin 58 Jahre belogen worden meine Mutter sagte mir nach Vaters tot ich wäre nicht seine Tochter ich wäre aus einer Vergewaltigung endstanden. Meine Mutter War nie für mich eine gute Mutter sie zeigte mir immer wieder das sie mich nich mag.Egal wie sie mich behandelt hat ich War immer für Sie da. Sie machte mich bei allen schlecht sagte nie ein gutes Wort über mich, Jetzt ist sie 78 Jahre alt fast alleine und dann knallt sie mir das an den Kopf. Muss nur eines dazugeben meine Mutter ist ein total negativer Mensch. Die War immer nur negativ.Ich dagegen sprühe vor Lebensfreude nur in ihrer Gegenwart konnte man nicht glücklich sein.Wie gesagt dann Kamm das mit ihren gestandniss das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen weil sie dann auch noch behauptet hat mein Vater hat davon gewusst und hätte mich als sein Kind ausgegeben. Was ich nicht glauben kann ich kann ihr das nicht verzeihen das sie mich jahrelang belogen hat.Da sie mir nie gut getan hat und und durch dieses gestandniss alles zerstört hat. Habe ich ihr alles gute gewünscht und gesagt ich möchte sie nicht mehr sehen. Das War im Juli. Und jetzt ist jänner und sie stand vor meiner Tür. Ich habe sie reingelassen und mit ihr geredet. Sie hat sich endtschuldigt und gesagt wie leid es ihr tut. Ich habe gesagt das ich ihr schon lange verziehen habe nur das es mir in ihrer Gegenwart nicht gut geht. Und das sie mir nicht fehlt. Sie wollte mich in den arm nehmen nur ich konnte es nicht.Ich wünsche ihr alles gute nur ich möchte mich nicht mehr mit ihr unterhalten. Ich kann ihr nicht mehr vertrauen. Es heißt ja was einen nicht gut tut soll man loslassen. Bitte um Rat wie ich weiter forgehen soll mit der Situation .
    Danke

    • Liebe Anna, schreibe deiner Mutter einen langen handgeschriebenen Brief, in dem du ihr deine Gefühle ausdrückst und ihr mehrfach sagst, dass du ihr verziehen hast, dass es jetzt für dich in Ordnung ist, und dass du auch noch nicht soweit bist um sie umarmen zu können. Vielleicht kommt ja irgendwann der Tag, wo du auch das kannst. Aber drücke ihr in einem Brief Deine Gedanken und Gefühle aus, was du vielleicht im direkten Gespräch so nicht kannst wenn sie vor dir steht. Das wäre wichtig für dich, um wieder ein Stück weiter zu verzeihen und wichtig für Sie, damit sie auch mit sich selbst Frieden schließen kann, denn sie wird sich große Selbstvorwürfe machen.
      Liebe Grüße und Alles Gute, Steffen Kirchner.

      • Hallo Steffen
        VOERST DANKE FUR DID SCHNELLE ANTWORT.
        Habe ihr Brief geschrieben. Wie gesagt mir geht es ohne sie besser. Ich habe ihr verziehen. Ich kann nur nicht mehr mit ihr mitleiden ich gehe daran zu Grunde. Nach Vaters tot vor acht Jahren War ich wirklich Tag und Nacht für sie da in dieser Zeit hat sich nichts geändert bei ihr immer wieder bekamm ich zu hören sie wäre gerne schon tot. Seid ich meine Mutter kenne kann ich auf der Hand abzählen das sie mal glücklich War. Es ist soviel zwischen uns passiert und immer wieder War ich die jenige die auf sie zuging ich bekamm Krankheiten hatte Magengeschwür sie hat und tut mir nicht gut. Ich bin ein total emotional und gefühlvoller Mensch War immer für Sie da nur ich habe für mich gelernt auf mich zu hören und für mich den Entschluss gefasst das es mir besser geht Kontakt mit ihr abzubrechen. Ich gehe sonst zu Grunde sie macht mich krank mit ihrer negativen Energie. Sie hat ihre eigene Welt aufgebaut sie muss ihren Weg alleine gehen ohne mich. Ich habe noch einen Bruder der hat sich auch schon seit Jahrenvon ihr zurück gezogen also liegt es nicht an mir bin nicht die einzige der sie nicht gut tut,.Ich habe viel über loslassen gelesen und das heißt auch verzeihen nur wenn dieser Mensch dann einen nicht gut tut dann soll man in meiden und das hab ich jetzt getan ich habe ihr verziehen habe es ihr auch nochmal geschrieben total nett ohne Vorwürfe aber auch das ich meinen Weg gehen will ohne sie und das ich mir für sie nur wünsche die jahre was sie noch vor sich hat das sie es für sich zufrieden lebt nur eben ohne mich. Ich habe keinen Hass auf sie ich habe nur Midleid für sie weil es so viele schöne Dinge auf der Welt gibt und sie es durch ihre Art nicht sehen will sie hat keinen Lebenswillen mehr sie hat aufgegeben nur ich kann sie darin nicht begleiten wie gesagt ich würde daran zu Grunde gehen. Mir ist mein Leben zu kostbar als Stunden mit ihr zu verbringen die mir nicht gut tun.Ich denke nicht das das egoistisch von mir ist ich habe nichts anderes getan die letzten jahre als für sie dagewesen sie hat sich nicht verändert im Gegenteil es ging ihr immer schlechter obwohl ich alles für Sie tat ich würde immer kranker War so oft dadurch im Krankenhaus nicht einmal kamm sie mich besuchen nur War sie im Krankenhaus und ich konnte mal einen Tag nicht reinkommen da spielte sie die beleidigte .Ich habe drei kinder drei Enkelkinder für die hate ich fast gar keine zeit mehr weil sie mich so für sich eingeblant hat nur durch ihr Geständnis jetzt und das sie mich so lange belogen hat das War das I tüpferchen das war zuviel für mich da ist das letzte Gefühl was ich für sie noch hatte zerbrochen. Wenn man in einen Zaun immer wieder Nägel reinschlägt irgendwann ist er voll und zerbricht und genauso ist es mit mir jetzt ergangen es ist was zerbrochen und das lässt sich nicht mehr heilen nicht mehr mit meiner mutter. Man kann verzeihen aber nicht vergessen. Und ich wünsche ihr alles gute. Ich weiß für mich ich habe das richtige getan
        Ich habe losgelassen in liebe damit es mir gut geht. Es ist so wie in einer guten Partnerschaft es müssen beide glücklich sein es muss ausgeglichen sein ein gleiches geben und nehmen wenn das einseitig ist dann leidet einer da gibt es nur einen Weg endweder man trennt sich oder man bleibt und wenn man bleibt dann wird man weiterleiden und man wird krank .Und ich habe mich für das erstere entschieden

  15. Dein Letzter Absatz gefällt mir leider gar nicht. Deine Beschreibungen klingen so, als könne man ruhig verzeihen weil der „Schuldige“ schon seine gerechte Strafe bekommen wird. Das klingt sehr nach „Auge um Auge“ und ist ja nun wirklich nicht das worum es beim Verzeihen geht.

  16. Ich denke, im letzten Absatz geht es eher darum, Hilfe beim Verzeihen zu bekommen. Sich aus dem Denken befreien zu können, dass man selbst für die Bestrafung durch Hass und Verachtung zuständig ist. Denn das Loswerden dieser Gefühle ist Voraussetzung. Meiner Meinung nach also das Gegenteil von Auge um Auge, nach dem Motto: Was der andere mit seinem Karma macht, ist nicht mein Kaffee.
    Den Hinweis über das Reflektieren und die eventuelle eigene Aufgabe, die sich aus der Verletzung ergibt, finde ich sehr wertvoll. Ich habe mich beruflich ständig unter Wert verkauft, war finanziell nicht erfolgreich, wurde von schlechten Jobs regelrecht angezogen. Bescheiden, nicht viel erwartend, wohl nicht so viel wert. Durch die tiefe Enttäuschung, die mir meine Familie nach dem Tod meines Vaters bereitet hat, der alles zusammengehalten hat, habe ich bemerkt, wie respektlos und schwach ich von ihr tatsächlich gesehen werde. Dass ich immer versucht hatte, das nicht zu sehen. Und dass das was mit meinem erfolglosen Leben zu tun hat. Nach einem Jahr totaler Verbitterung und Wut und Traurigkeit wurde ich auch noch krank, bekam Sehstörungen und starke Schmerzen ohne Ursache und war nur mehr verzweifelt. Meine Gefühle fraßen mich förmlich auf. Ich wusste, dass ich das hinter mir lassen musste. Und verzeihen musste, damit ich wieder leben kann. Es war ein langsamer Prozess, aber ich schaffte es, mich zu verändern, nämlich das Bild, das ich von mir selbst hatte, ohne es zu wissen. Das diese ganze Ausnutzerei in mein Leben rief und die ständigen Schuldgefühle. Ich war gleich viel wert wie die anderen. Nie wieder wollte ich das erleben. Aufrecht und tapfer verzieh ich großzügig allen rundherum. Und wollte nur noch nach vorne, ohne das alles zu brauchen. Ich wurde ein wirklich neuer Mensch, der geschätzt und geachtet wird, auch beruflich. Für mich ein unbeschreibliches Gefühl. Das klingt vielleicht einfach, war es nicht. Es ist sehr schwer, seinen Selbstwert aufzubauen und die Vergangenheit sein zu lassen, es dauerte Jahre. Aber die Belohnung ist toll.
    Und ganz alleine war ich natürlich auch nicht dabei. Menschen wie Sie, mit Ihren übrigens überaus wertvollen und informativen Seiten hier – vielen Dank, haben mir bei meinem Weg so viel geholfen.

  17. Hallo, ich kann nur schwer meinem Mann verzeihen. Er hat eine nicht abgeschlossene Beziehung mit in unsere Beziehung und Ehe gebracht. Mit der Frau trifft er sich seit 23 Jahren. Er kennt sie seit 32 Jahren. Zwischendurch war sie für 6 Jahre im Ausland. Da bestand telefonischer Kontakt. Im laufe der Jahre hat er eine einseitige emotionale Beziehung aufgebaut. Häufige Telefonate und heimliche Treffen tagsüber bis 6 mal im Jahr. In den letzten 2 Jahren ständiger Kontakt über Whatsapp. Er flirtete mit ihr und ist einer Affäre nicht abgeneigt gewesen. Im November letzten Jahres habe ich durch Zufall alles erfahren.
    Sie hat dann den Kontakt vorläufig abgebrochen über Whatsapp. Für sie ist es nur auf freundschaftlicher Basis gewesen. Ich komme mir verraten vor. Und als 2. Wahl. Mit der Frau hatte er mal ein Abenteuer lange vor meiner Zeit. Er hatte sich wohl damals eine Lebensgemeinschaft gewünscht. Seitdem idealisiert er sie. Angeblich liebt er nur mich. Er sagt, dass dies unsere Ehe nicht tangiert und dass er mir treu war. Aber er wollte von ihr mehr. Und hat dies all die Jahre immer versucht. Dabei war er nur treu, weil Sie nicht wollte. Er hat jedenfalls, als ich ihn vor die Wahl stellte die Beziehung nicht beendet. Ich bin so wütend und so verletzt..

  18. Guten Tag,
    Ja, verzeihen ist wichtig und richtig. Bei mir sind es immer die gleichen Situationen, aber von unterschiedlichen Menschen. Ich gebe alles, engagiere mich, sorge immer dafür, dass es läuft (im Beruf und Pivaten) und werde dann unwertschätzen behandelt, verlassen, hintergangen oder betrogen. Wie soll ich dann verzeihen, besonders mir selber für die Naivität, die ich mich in die Situation gebracht hat?

  19. Der hat schon mit einer Lüge unsere Beziehung und Ehe begonnen, und das soll ich verzeihen? 30 Jahre belogen und hintergangen und eine Affäre gewollt oder gehabt! Verzeihen ist da schwierig. Zumal mein Mann kein Unrechtsbewusstsein hat.

  20. Ich möchte lernen zu verzeihen habe deine Post gelesen und ich werde es ausprobieren aufschreiben hoffe wird mir helfen.
    Mein Partner war zu mir nicht ehrlich am Anfang nach einem Jahr zusammen hat er mir erzählt dass er eine Beziehung hat und eine kleines Kind aber dass er unglücklich ist und er möchte sich trennen und mit mir zusammen sein. War mir sehr schwer diese Entscheidung zu treffen aber habe gesagt ich gebe uns eine Chance habe gesagt ich verzeihe ihn aber dass Schmerz ist weiter da nach 10 Monate und ich kann ihn nicht vertrauen denke er ist weiter unehrlich und so, er gibt mir keinen Grund mehr dass zu denken und trotzdem ich komme immer mit Vergangenheit und sage ja damals hast mich auch locker belogen. Diese Streit hilft uns garnicht er sagte er weißt nicht mehr was er machen kann dass ich ihn verzeihe und von Vergangenheit wegkomme.

  21. Da hätte ich keine Probleme, dem zu verzeihen. Mein Mann hat mich 30 Jahre lang belogen, da ist es schon schwieriger zu verzeihen. Das ist solange, wie wir uns kennen. Verzeihen kann ich nichts.

  22. Hallo Steffen,
    ich konnte meinen Peinigern nur verzeihen, indem ich mich mit meinem inneren Kind auseinandergesetzt habe. Das fing an einem sonnigen Sonntag bei meiner Mutter an. Ich habe mir alte Kinderfotos angeschaut und dort wunderschöne Bilder von meiner Familie abfotografiert. Zum ersten Mal seid längerer Zeit empfand ich Liebe für mich selbst. Ich schaute meine Kinderfotos oft an und spürte diesen liebevollen Gedanken nach. Auch über diesen Weg konnte ich allen Menschen die mich verletzt hatten vergeben. Ich vergab den Kindern, die sie mal waren. Ich stellte mir meine Peiniger als Kinder vor und dann ging es zum ersten Mal mit dem verzeihen. Es ist ein gutes Gefühl. Ich fühle mich zum ersten Mal richtig frei und Herr der Lage. Probiert es auch mal aus und entdeckt den liebenswerten kleinen Menschen in euch.
    Viel Spaß dabei

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