Die 6 größten Beziehungskiller

Der Mensch ist von Geburt an keinesfalls ein Beziehungskiller, sondern vielmehr ein beziehungsaffines Wesen, auf der ständigen Suche nach Zugehörigkeit. Doch obwohl wir fast nichts so sehr brauchen wie das Gefühl nach Verbundenheit, gibt es gleichzeitig auch wenig, worin wir so unfähig sind, wie in der Beziehungspflege. Beziehungen zwischen Menschen scheitern auf allen Ebenen immer an einem oder mehreren der folgenden 6 Beziehungskiller.

Durch die Erfahrungen aus meiner Arbeit im Profisport bin ich auf ein Muster gestoßen, welches die Kernprobleme im Bezug auf die Qualität unserer zwischenmenschlichen Beziehungen auf den Punkt bringt. Denn was zwischen Trainer und Spieler oder auch Spieler und Spieler im Bezug auf ein gutes „Verhältnis“ (das Wort kommt von „Verhalten“) gilt, hat auch für Liebesbeziehungen zwischen Partnern, oder Arbeitsbeziehungen zwischen Mitarbeitern und ihren Chefs seine Gültigkeit. Hier die aus meiner Erfahrung 6 größen Beziehungskiller:

Beziehungskiller Nr. 1: KONTROLLE
Liebe kontrolliert nicht. Menschen wollen frei sein. Durch die starke Kontrolle des Anderen, nimmt man ihn an die Leine und versucht ihn zu dressieren. Dressur mag bei wilden Tieren unumgänglich sein – bei Menschen ist es unsäglich. Der Grund für die Kontrollsucht ist immer die eigene Angst. Das Wort Angst kommt aus dem Lateinischen (Angus) und bedeutet soviel wie „Enge“. Eine Einengung des Anderen blockiert seine jeweilige Entfaltung und ist somit das Gegenteil von Liebe. Wer andere kontrollieren will, liebt nicht und führt auch keine gleichrangige Beziehung. Weder in der Partnerschaft, noch im Arbeitsverhältnis. Kontrolle ist der Beweis Besitzdenken & Misstrauen. Echte Beziehungsqualität entsteht ausschließlich durch Freiheit & Vertrauen.

Beziehungskiller Nr. 2: MANIPULATION
In funktionierenden Beziehungen wird der Andere niemals vorsätzlich manipuliert. Ein guter Trainer versucht seinen Spieler niemals gegen seinen Willen in ein System zu zwängen, das dem Spieler widerstrebt. Er nimmt ihn höchstens an der Hand und zeigt ihm Möglichkeiten, in etwas Neues hineinzuwachsen und sich persönlich weiterzuentwickeln. So etwas nennt man Potenzialentfaltung. Das Gegenteil davon nennt man ebenfalls Dressur oder noch ein bekannteres Wort: Erziehung. Erwachsene Menschen wollen nicht erzogen werden – nicht mal Kinder wollen das. Wer jemanden erziehen will, hat nichts verstanden. Man zieht sprichwörtlich so lange an dem Anderen herum, bis er so zurecht gezogen wurde, wie es einem selbst passt. Wenn vor lauter Ziehen die Beziehung dann zerreißt, ist das Geschrei meist groß. Eine qualitativ hochwertige zwischenmenschliche Verbindung aufzubauen heisst, dem Anderen soviel Vertrauen und Wertschätzung zu geben, bis er selbst bereit ist, sich im eigenen Tempo weiter zu entwickeln. Das gilt insbesondere übrigens auch für das Berufsleben und die Führung von Mitarbeitern!

Beziehungskiller Nr. 3: BEDINGUNGEN
Liebe und echte Freundschaft ist bedingungslos. Gute Eltern lieben ihre Kinder, egal was ist und passiert. Sowas nennt man bedingungslos. Wenn Zuneigung an eine Bedingung geknüpft ist („Wenn-Dann-Zuneigung“), ist keine nachhaltige, ehrliche Basis vorhanden. Fragen Sie sich mal selbst: Würden Sie mit Ihrem Partner zusammen bleiben, wenn er ab morgen im Rollstuhl säße? Würden Sie als Trainer Ihren Spieler weiter unterstützen, wenn er Ihnen vertraulich gestehen würde, dass er homosexuell ist? Würden Sie Ihren hoffnungsvollen, jungen Mitarbeiter weiter mit maximaler Energie und Zuwendung unterstützen, wenn er Ihnen mitteilen würde, dass sein Traum eigentlich ist, sich selbständig zu machen und er auf eine Gelegenheit dazu in der Zukunft hofft? Wenn ja, dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Wenn nein, dann pflegen Sie mit der betroffenen Person keine Beziehung, sondern Handel. Denn Handel funktioniert nach Wenn-Dann-Bedingungen.

Beziehungskiller Nr. 4: TEILZEIT-WERTSCHÄTZUNG
Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“. Der Valentinstag beispielsweise ist gut gemeint. Aber mal ehrlich: Wozu brauchen wir einen Tag, der uns daran erinnert, wichtigen und lieben Menschen die Wertschätzung entgegen zu bringen, die sie offensichtlich jeden Tag verdient hätten? Wie würden sich unsere Beziehung verändern, wenn wir aus dem Valentinstag, ein Valentinsjahr machen würden?
Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Vieles wird schnell zur Normalität. Daraus folgt eine mangelnde Achtsamkeit für die „normalen“ positiven Dinge. Viele Leute glauben, dies sei nunmal so, denn der Mensch funktioniere in unserer Gesellschaft eben nach diesem Prinzip, alles Gute über kurz oder lang als normal zu (v)erachten. Vieles müsse man wohl erstmal wieder verlieren, um es wieder wertschätzen zu können.
Ist das wirklich so?? Ich glaube dahinter steckt vielmehr ein alter Glaubenssatz, der aus reiner Bequemlichkeit resultiert. Wenn man sich gezielt täglich Zeit nimmt, um die Dinge wertzuschätzen, die man hat, werden einem auch die scheinbar „normalen“ Dinge wieder bewusster. Wenn man nun eine Entscheidung trifft, das „Normale“ seinen Mitmenschen wieder mitzuteilen, dann wächst die Qualität der Beziehung. Sagen Sie Ihren Kindern doch beispielsweise häufiger mal, was sie gut machen, anstatt immer über schlechte Noten und akute Lernunlust zu diskutieren. Führen Sie mehr persönliche (nicht fachliche) Mitarbeitergespräche unter vier Augen, wo Sie Ihrem Gegenüber genau erklären, was Sie positives an ihm wann und wie beobachtet haben und dass Sie das sehr schätzen. Denn es ist eben NICHT selbstverständlich! Schreiben Sie über Ihren Lebenspartner jeden Tag eine Sache in ein kleines Büchlein, was Ihnen am heutigen Tag positiv an ihm/ihr aufgefallen ist und was er/sie toll gemacht hat. Schenken Sie Ihrem Partner dieses Büchlein nach 3 Monaten und lesen Sie es sich gemeinsam vor. Sie werden erstaunt sein, was die Beachtung von „normalen Kleinigkeiten“ plötzlich für einen großen Unterschied machen kann.
Übrigens: Positiver möglicher Nebeneffekt für alle Männer: Sie werden nach dieser Aktion womöglich die Nacht der Nächte seit Jahren erleben :-)

Beziehungskiller Nr. 5: SCHMETTERLING-IDIOTIE:
Verliebt sein und lieben sind zwei Paar Stiefel. Schmetterlinge im Bauch sind ein Verliebtheits-Vorschuss der Natur, der einen am Anfang der Beziehung über die Fehler des Anderen hinweg sehen lässt. Wirklich lieben heisst, die Fehler des anderen zu kennen und mit zu lieben. Wer immer nur nach Schmetterlingen sucht, verpasst es, sich auf ein noch viel tieferes, ehrlicheres Gefühl einzulassen – nämlich auf die Liebe.

Beziehungskiller Nr. 6: DEFIZIT-AUSGLEICH
Viele Menschen suchen sich einen Partner, der ihnen das geben soll, was ihnen selbst fehlt. Vertrauen, Sicherheit, Liebe, Stärke. Typische Sätze die daraus resultieren: „Ich brauche Dich“, oder „Ich will, dass du mich glücklich machst“. Doch niemand kann Ihnen geben, was Sie sich selbst nicht geben, bzw. nicht selbst für sich verwirklichen. Ein Partner kann niemals auf Dauer ein Defizit ausgleichen, das Sie selbst in sich haben. Solange Sie nicht alleine mit sich selbst glücklich und im Reinen sein können, werden Sie es auch nie mit jemandem zusammen werden. Stellen Sie sich vor, wenn zwei Menschen sich treffen, jeder mit 50.000 Euro Schulden, und dann gemeinsam miteinander ein Geschäft machen wollen. Kann das funktionieren? Nein. Es läuft vielmehr auf eine Katastrophe für beide Beteiligten hinaus. Eine Partnerschaft ist nicht dazu da, um vom Anderen etwas zu bekommen, sondern um etwas zu geben und dann miteinander zu teilen.

14 Gedanken zu „Die 6 größten Beziehungskiller

  1. Lieber Steffen,

    Danke für deine Einträge,die ermöglichen eine auf eine andere Ebene zu erlangen womit die Bewusstsein strömt

    Echt genial

    Bist für mich als beginnende Sport mentaltrainer ein Riesen Vorbild

    Danke echt cool

    Mit Licht und Liebe
    Hasan aus Wien

  2. Hallo Steffen, das ist das Beste was ich je über Liebe und Beziehungen gelesen habe. Es trifft genau ins Schwarze und man versteht auf Anhieb was du meinst. Vielen Dank dafür, liebe Grüße , Heggy

  3. Liest sich im ersten Moment vielleicht sehr hart, aber stimmt wirklich zu 100%. Kann ich nur von vorne bis hinten beipflichten, das sind wirklich absolute Killer einer Liebe!

    Merkt man oftmals nur leider erst hinterher …

  4. Hallo Steffen,

    nach meiner Trennung vor mittlerweile 7 Wochen war ich lange auf der Suche nach dem „Warum“. Ich kam mir in meiner letzten Beziehung sehr kontrolliert und dominiert vor, war nicht mehr ich selbst. Nach langer zeit des Überlegens zog ich dann die Notbremse und trennte mich nach zwei Jahren von meiner Partnerin.
    Was danach folgte war die reine Hölle für mich. Als sie auszog erniedrigte sie mich verbal, hat mich gedemütigt, Bilder und ein Möbelstück zerstört und sagte wörtlich „Was besseres wie mich bekommst du nicht. Dein Aussehen ist sch …“. Soweit so gut…Ich ließ es über mich geschehen um es nicht noch mehr eskalieren zu lassen. Es folgten Tage des hin- und herbringen von Sachen bis jeder seins wieder hatte. Achja, sie wollte ALLE Geschenke von sich und ihrer Familie zurück!!! und meinte „Es darf hier nichts mehr geben was mich an sie erinnert.“

    Und dann fand ich deinen Artikel hier und JETZT kann ich sagen das ich mich darin zu 100 % wiederfinde, denn es trifft es genau auf den Punkt warum eine Beziehung nicht rund läuft und das es tatsächlich besser ist einen Schlussstrich zu ziehen. Denn genauso ist es tatsächlich…!!! Auch wenn der Artikel schon 4 Jahre alt ist, so ist er doch zeitlos. Es spiegelt genau meine Beziehung wieder wie sie war und jetzt verstehe ich auch warum man nicht so schnell aus solch einem Teufelskreis heraus kommt, wenn man dominiert und beeinflusst wird. Leider habe ich nun 2 Jahre meines Lebens verloren, dennoch blicke ich frohen Mutes in die Zukunft.

    Ich werde dieser Frau noch einen letzten Brief schreiben um mein Selbstbewusstsein zu stärken und zu sagen das man mit mir nicht alles machen kann. Auch wenn sie mich wahrscheinlich nicht versteht…:-).

    Dein Artikel über die „5 Hauptgründe, warum Liebesbeziehungen scheitern“ ist ebenfalls sehr interessant…und oftmals kommen beim lesen deiner Artikel bei mir gewisse „Wooow und Aha-Effekte“ zum Vorschein.

    Liebe Grüße,
    Torsten

    • Lieber Torsten,
      danke Dir für den interessanten Erfahrungsbericht und herzlichen Glückwunsch zu Deinem Erkenntnis-Durchbruch. Es freut mich sehr, wenn Dir mein Artikel wertvolle Impulse dazu liefern konnte. Wünsche Dir von Herzen alles Gute! Vielleicht lernen wir uns beim nächsten Lebensstark-Seminar ja mal persönlich kennen. Viele Grüße!

  5. Leider habe ich deinen Artikel ja erst nach meiner Trennung gelesen. Er hat mir jedoch sehr geholfen Vieles besser zu verstehen und eine andere Sichtweise zu bekommen. Leider habe ich in den 2 Jahren dieser Beziehung auch nicht gemerkt, was mit mir geschieht, außer das ich ein immer größeres mulmiges Gefühl hatte bis es tatsächlich nicht mehr ging.

  6. Hallo Steffen ,
    Seit kurzem hör ich immer wieder folgen von dir und ich bin voll begeistert, denn ich ertappe mich sooft , manchmal positiv dann aber auch wieder negativ .

    Ich habe jedoch eine Frage , oder ich möchte etwas erzählen . Ich bin jetzt 50. und traue mir nun endlich dazu stehen , dass ich bestimmt glücklich werde , aber nicht mit einem Mann .

    Nun bin ich unglücklich verliebt , in eine Frau , welche von ihrer Vergangenheit (11jährige Beziehung ) nicht loslassen kann …….. will kann aber nicht ! Und ich, ich hab unendlich viel davon zu verschenken ….. vielleicht jedoch Zuviel .
    Meine Eltern waren nicht das Vorzeige-Paar Und wir Kinder haben auch nicht die liebe bekommen ….. bin ich deshalb unfähig ….. geb ich deshalb sofort 1000%. ….ich bin manchmal am verzweifeln und ich suche die Fehler natürlich bei mir ………
    Lieber Steffen , wenn du was dazu schreibst würde ich mich freuen …. wenn nicht , so bin ich nicht böse , denn ich konnte meine Gefühle aufschreiben…..

    Danke und liebe Grüße Manu

  7. Lieber Steffen, im Moment 26.01.2019
    bin ich im Internet auf Deine Beziehungs-
    Killer gestossen. Ich habe mich öfters
    wieder gefunden. Mir war sofort bewusst,
    was ich falsch gemacht habe. Ich finde
    DEINE 6 Punkte so fantastisch, dass ich
    DEINE Internetseite an meine Freunde weitergegeben habe. Wann hast Du das
    nächste Seminar? Und wo? Würde gerne
    Kommen
    MfG Lissy

  8. Vielen Dank für die interessanten Gedanken. Häufig ist man sich gar nicht bewusst, wie schnell sich Beziehungskiller in eine Partnerschaft einschleichen können und was sie auf Dauer anrichten. In unserer Beziehung waren Schulden eine sehr große Belastung. Zum Glück haben wir sie gemeinsam in den Griff bekommen.
    LG Christine

  9. Hallo
    Herzlichen Dank, für Deine wirklich guten Einschätzungen, des wortes Wertschätzung. Es gibt viele, die das ein wenig einseitig bemessen .. leider … Ich werde das einmal anwenden simle .. schöne Feiertage wünsche ich Dir

  10. Danke für diesen wunderbaren Artikel. Leider habe ich in meiner Beziehung von meiner Partnerin ausgehend alle 6 Punkte erleben müssen. Die Trennung ist jetzt zwei Monate her u dein Artikel gibt mir Kraft!

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