Ich muss gar nichts

Aktuell scheinen viele Menschen in dieser Wellness-Esotherik-Bewegung zu meinen, alles ginge immer leicht und alles sei im Flow. Sie wollen über Problemen schweben und alles ohne Druck machen. Frei nach dem Motto „Ich muss gar nichts“.

Oft wird auf Facebook oder wo auch immer ein Spruch mit den Worten „Ich muss gar nichts“ gepostet. Dann erhältst Du darauf hunderte oder tausende von Likes. Dafür gibt es Gründe:

  • Menschen stehen zu sehr unter Druck
  • sie glauben oftmals auch tatsächlich, dass sie dieses oder jenes müssen
  • wir lassen uns auch sehr viel Müssen von anderen Menschen aufoktroyieren, was oftmals überhaupt nicht sein muss.

Und tatsächlich ist es so: Müssen verhindert Wollen im Leben. Verringere Dein Müssen in Deinem Leben, damit Du mehr Energie bekommst. Das ist Fakt.

Dennoch verrate ich Dir heute, dass der Satz „Ich muss gar nichts“ einer der gefährlichsten Glaubenssätze überhaupt ist. Du begibst Dich in einer Widerstandshaltung, die sehr viel über Dich selbst aussagt. „Ich muss gar nichts“ ist kompletter Bullshit.

Mit Druck umgehen

Auf dieses Thema bin ich durch eine Nachricht bei Instagram gestoßen, die ich von einer Frau bekommen habe, die ich gut kenne. Sie hat schon einige Seminare von mir besucht. Wir nennen sie jetzt mal Maria. Maria ist eine total liebe, herzliche und wertschätzende Person und auch regelmäßig auf meinen sozialen Kanälen im Austausch mit Menschen.  Ende letzten Jahres habe ich die Frage gestellt: „Was wünscht Du Dir von mir auf Instagram im Jahr 2019? Deine Meinung ist gefragt.“

Darauf habe ich viele Antworten erhalten, Marias war eine davon:

„Ich wünsche mir vielleicht etwas weniger Druck zu verspüren durch das Wort muss. Du musst das und jenes tun, um erfolgreich zu sein, Du musst das so und so umsetzen. Du musst dieses und jenes. Mein Gefühl meine Meinung. Mein Vorschlag: Wenn du erfolgreich sein willst, darfst du dieses und jenes umsetzen oder mal ausprobieren. Deine Tipps sind gut Steffen, aber erzeugen Druck. Und daher bin ich oft im Podcast nach drei Minuten wieder raus. Es ist natürlich eine Frage, wie es bei anderen ankommt, bei mir eben so. Liebe Grüße“

Ich habe ihr dann auch zurückgeschrieben: „Vielen Dank für die Rückmeldung. Die spannende Frage ist, was erzeugt denn hier eigentlich den Druck? Das Wort müssen oder Deine Interpretation des Wortes müssen. Deine Meinung, Deine Haltung zu diesem Wort müssen. Vielleicht ist es gar nicht so sehr das Wort, das das Gefühl erzeugt. Worte erzeugen keine Gefühle, sondern wir erzeugen unsere Gefühle, indem wir Worte interpretieren.“

Dann kam die Antwort darauf zurück:

„Naja, aber trotzdem darf man doch mal drüber nachdenken. Möchtest Du ständig von Deinem Mentor oder Coach hören, was Du alles musst? Ich eher nicht. Ich möchte inspiriert werden von Worten und Meinungen, aber nicht hören, was ich muss. Denn ich muss überhaupt nix. Liebe Grüße Maria“

Zusammengefasst wünscht sich Maria von mir, nicht zu sagen, dass Du dieses und jenes tun musst, sondern Du dieses und jenes tun und es ausprobieren darfst. Also ersetze das Wort „müssen“ durch „dürfen“.

Ich weiß, was Maria meint und es ist mit Sicherheit auch so, dass sie in manchen Punkten recht hat. Denn es ist tatsächlich so, dass man zu oft sagt, man müsse etwas tun. Doch das von Deinem Coach und Mentor nicht hören zu wollen, ist Nonsens. Darin besteht schon der erste Denkfehler.

Meine Aufgabe als Coach

Ihr Lieben, ich bin nicht dazu da, um euch das zu sagen, was ihr hören möchtet. Es interessiert mich auch nicht, was jemand hören möchte. Ich bin dafür da, um das zu sagen, was Du aus meiner Sicht hören musst. Egal ob Du dieses Wort jetzt magst, Du musst es hören, um Dein Leben und Dein Denken zu verändern.

Denn wenn Dein Leben schon so wäre, wie Du es haben möchtest, dann würdest Du vielleicht auch schon mal die Dinge tun, die Du tun solltest, um das zu haben, was du gerne haben willst. Offenbar ist es aber nicht der Fall. Und deshalb bin ich für Dich da. Es ist meine Bestimmung, Menschen Orientierung zu bieten und ihnen Dinge zu sagen, die sich manchmal nicht gut anfühlen oder sich nicht gut anhören.

Wenn du nicht bereit bist, im Leben auch mal Druck auszuhalten – und das Wort muss erzeugt Druck – dann wirst du mit Sicherheit auch noch viel leiden müssen.

Schließe „ich muss“ nicht aus

Manchmal sagt man zu schnell „ich muss“ oder „Du musst“. Immer ist es die Dosis, die das Gift macht. Wenn Du dieses Wort aus Deinem Leben ausschließt und durch „dürfen“ ersetzt, wirst du auch mit Sicherheit an vielen Stellen vor der Konsequenz fliehen.

Wenn Du

  1. nicht fett sein willst, musst Du Deine Ernährung umstellen und Sport machen.
  2. du finanziell auf einen grünen Zweig kommen willst, dann musst Du lernen wie Du mehr Geld verdienst, es sparst und wie Du mit Geld umgehst.
  3. ein glückliches Lebensgefühl haben willst, musst Du ein entsprechendes Umfeld haben, weil Du ohne ein positives Umfeld niemals glücklich werden kannst.
  4. zu viel Stress hast, musst du offenbar Dinge loslassen. Lerne, Stress abzubauen.

Ursache und Wirkung

Es gibt bei bestimmten Dingen keine Alternative. Die Alternative, die sich Dir bietet, ist dass Du nicht unbedingt finanziell frei werden musst, Du musst auch nicht schlank werden. Du musst auch nicht gesund werden. Und Du musst natürlich auch nicht lernen, mit Geld umzugehen. Du musst nicht Unternehmer oder Unternehmerin werden. Du musst nicht glücklich werden im Leben.

Es gibt kein MÜSSEN im Sinne von einer Alternativlosigkeit im Leben. Aber wenn Du ein bestimmtes Ziel definierst und Du an einen bestimmten Punkt in Deinem Leben hinkommen willst, dann musst Du etwas verändern. Das ist das Gesetz von Ursache und Wirkung. Doch wenn Du dieses Gesetz ausschließt, dann lebst du gegen das Prinzip des Universums.

In dem Moment, in dem Du Dich für eine Sache wie beispielsweise Ferienziel entscheidest, gibt es für Dich einen Weg, um dorthin zu kommen. Wenn Du in Deutschland ein Unternehmen gründen willst, musst Du Dich an die Regeln des Rechtsstaates halten:

Du musst

  • bestimmte Gesetze einhalten.
  • entsprechend wirtschaften.
  • Deine Steuer im Griff haben.
  • ans Finanzamt bezahlen.
  • bestimmte Marketing und Werberichtlinien einhalten.

„Ich muss gar nichts“ ist Realitätsverweigerung. Punkt. Trotzdem musst Du manche Dinge gar nicht tun. Vielleicht gibt es einfach schon zu viele „müssen“ in Deinem Leben. Wahrscheinlich hast Du in der Vergangenheit viel zu viel gedacht „Du musst dieses, Du musst jenes“. Eventuell hast Du Dir das selbst auferlegt. Und deswegen entwickelst Du eine innere Ablehnung gegen dieses „müssen“.

Also überlege Dir jetzt mal, woher Dein Widerstand gegen das Wort oder diese Formulierung kommt.

Im Prinzip ist es kein negatives Wort, vielleicht hat bisher Dein Lifestyle dazu geführt, dass Du so empfindest. Genau das hält Dich womöglich auch davon ab, das Leben zu führen, das Du haben willst.

Hast Du zu viele Baustellen und Erwartungen, die Dir Druck machen? Das Wort „müssen“ drückt auf Knöpfe, die bei Dir anscheinend schon komplett erregt sind. Was genau löst das Wort in Dir aus? Bitte denk mal in Ruhe darüber nach und Du wirst sehen, „müssen“ in der richtigen Dosierung bringt Dich weiter.

Dein Steffen Kirchner

PS: Und ich finde es super, dass ich solche Nachrichten auf Instagram und Facebook bekomme. Vielen Dank auch an Maria und vielen Dank an euch alle, die mir immer wieder Nachrichten und auch Kritik schreiben. Für mich war es auch total wertvoll, das Thema zu reflektieren. Gerade durch so etwas lernen wir miteinander.

Miteinander lernen werden wir auch auf meinen Seminaren, zu denen ich Dich herzlich einlade!

7 Gedanken zu „Ich muss gar nichts

  1. Nun ja, vieles stimmt für mich, dennoch ist es das Level Alter, Erfahrung und Erkenntnisse die einen Menschen ausmachen und eine Schablone sind wir alle nicht.

  2. Lieber Steffen,
    das ist ein sehr interessantes Thema. Ich gehöre auch zu der Gruppe Menschen, die behauptet, sie „muss“ nicht. Seit letztem Wochenende – deine Erfolgsoffensive in Münster – denke ich viel über das „Müssen“ nach. Und genau in diesem Moment kommt diese E-Mail. Das hat eine Bedeutung: Veränderung des Denkens.
    Ich gebe dir Recht, natürlich „muss“ man bestimmte Dinge beachten, tun, ändern. Andere kann man probieren, dürfen. Will man Veränderung, welche auch immer, „muss“ man schon.
    Danke für den Blog, ich bin daran zu arbeiten, an dem „Müssen“ und „Dürfen“.
    Liebe Grüße. Anette

  3. Hallo Steffen, ich kenne Dich von Seminaren und ich setze mich gerne mit Deinen Mitteilungen auseinander, die mich jedesmal ein Stückchen weiterbringen: vielen Dank dafür. Meiner Meinung nach „muss“ man im Leben genau zwei Dinge: ich „muss“ geboren werden und ich „muss“ irgendwann einmal sterben. Dabei steht „muss“ für Dinge, die ich nicht beeinflussen kann und bei denen ich keine Wahl habe. Ich widerspreche damit nicht Deinen Ausführungen, aber ich denke, es liegt am Sprachgebrauch des Wortes „müssen“: „müssen“ lässt uns per se keine Wahl – und ich habe immer eine. Ja, wenn ich ein erfolgreiches Unternehmen gründen und halten möchte, sind einige Dinge notwendig. Aber vielleicht finde ich auch einen Partner, der die Dinge, die ich „muss“, gerne tut – dann „muss“ keiner und wir sind beide erfolgreich. Ich ersetze „müssen“ gerne durch „wollen“, verstärkt vielleicht noch „brennen für“. Ich übernehme Verantwortung für mein Handeln, ich habe ein Ziel und ich „will“ mein Ziel erreichen, aber ich „muss“ es nicht. Wenn ich etwas „will“, etwas „möchte“, tausche ich immer etwas dafür ein, ich zahle einen Preis. Für nichts gibt es nichts. Aber ich möchte für das Wort „muss“ gerne Alternativen aus unserer vielfältigen Sprache verwenden, die genau das beschreiben und ausdrücken, was für mich in der jeweiligen Situation passt. Und das Wort „muss“ ist es definitiv nicht, weil es für mich Druck aufbaut und ein Synonym für alternativloses Handeln bedeutet. Vielleicht ist „müssen“ kein negatives Wort, aber ich habe heute auf meine Frage dazu von keinem gehört, dass er damit etwas Positives verbindet. Liebe Sonntagsgrüße

  4. Hallo Steffen, ich bin es noch einmal im Anschluss zu meinem Kommentar:
    „Muss“ ich das Wort „müssen“ verwenden?
    Warum „muss“ ich das Wort „müssen“ verwenden?
    Wie geht es einem Menschen, der mir sagt, dass es zu „müssen“ keine Alternative gibt?
    Viel Spaß beim Nachdenken und Nachfühlen für Dich ganz persönlich.
    Liebe Grüße

  5. Lieber Steffen, ich bin völlig bei dir: Müssen tun wir alle gar nichts. Diese „Ich-muss-gar-nichts-Bewegung“ erscheint mir offengestanden als ein Übel der Moderne und des liberalen Wohlstands. Ich sehe (das ist sehr persönlich) darin sogar ein großes gesellschaftliches Risiko. Wenn wir alle nichts mehr müssen oder anders ausgedrückt nur noch machen worauf wir just in diesem Moment „Bock haben“, dann wird die Welt eines schönen Tages so nicht mehr funktionieren. Dein Artikel beleuchtet viele Aspekte auf eine interessante Art und Weise. Es hat mir viel Freude bereitet ihn zu lesen und ich konnte hilfreichen Input mitnehmen. Dafür möchte ich mich bei dir bedanken! Herzliche Grüße von Rolf

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