Die 10.000-Stunden-Regel

Kennen Sie auch Menschen, die zwar richtig erfolgreich werden wollen, morgens aber aufwachen, ihrer täglichen Arbeit nachgehen und sich fragen wie lange es noch dauern wird, bis sie wirklich Erfolg haben werden. Oder einer der „Thank-God-Its-Friday“ Fans? Also jemand, dessen Motivationspegel sich am Dienstag Mittag schon wieder gefährlich dem Null-Level nähert, was zur Folge hat, das man ununterbrochen auf das Wochenende hinfiebert, an dem man dann einfach mal nichts tun kann? Wenn das auf Sie zutrifft, hat der amerikanische Neurologe Daniel Levitin eine interessante Entdeckung gemacht, die Sie höchstwahrscheinlich interessieren wird.

Laut den Studien von Levitin, haben wirklich erfolgreiche Menschen eine Sache gemeinsam: Sie haben sich alle ca. 10.000 Stunden mit einer gewissen Materie befasst, ehe Sie wirklich zu einem Weltklasse-Experten wurden. Bill Gates hat 10.000 Stunden Programmiererfahrung gehabt, bevor er gegründet hat. Man sagt, dass Mozart 10.000 Musikerfahrung hatte, bevor er seine ersten erfolgreichen Symphonien geschrieben hat, oder das André Agassi rund 10.000 Trainingsstunden auf dem Tennisplatz verbrachte.
Wie man auf diese Zahl kommt? Relativ einfach! Um ein Topexperte zu werden, sollte man sich täglich zirka 3-4 Stunden mit seinem Expertengebiet aktiv beschäftigen. Ambitionierte Menschen arbeiten rund 300 Tage im Jahr, womit auf hochgerechnet etwa 1.000 Stunden im Jahr kommt. Diese Schlagzahl gilt es aus der Erfahrung und Beobachtung richtig erfolgreicher Menschen nun auf 10 Jahre hochzurechnen, denn dieser Zeitraum ist notwendig. Und schon sind wir bei den round about 10.000 Stunden.

Betrachten wir beispielsweise die Kindheit von Bill Gates, Microsoft Gründer und einer der reichsten Männer der Welt, so sehen wir einen ehemals “Computersüchtigen”. In seiner Jugend verbrachte er mehrere Stunden täglich am Computer. Isoliert von der Außenwelt, widmete er den Großteil seiner Energie und Zeit der Programmierung.
Natürlich reicht es nicht einfach aus, nur 10.000 Stunden vor dem PC zu sitzen, um erfolgreich zu sein. Man muss den Drang haben sich zu verbessern, etwas zu lernen und vor allem muss man seine Arbeit lieben – sonst so kann man so eine Leistung niemals erbringen.

Bill Gates ist kein Einzelfall, denn diese These findet in jeder Brache Bestätigung. Egal ob Profisportler, Musiker, Unternehmer, Wissenschaftler oder Autor: Jeder, der wirklich etwas sein möchte braucht Ausdauer, Mut, Passion, Disziplin und mindestens 1.0000 Stunden Arbeit.
Wenn Sie also Zeit in eine Fähigkeit oder Arbeit investieren, machen Sie sich klar, dass jede Sekunde auf Ihrem Zeitkonto gutgeschrieben wird und Sie sich verbessern. Auch wenn es mal nicht so läuft, wie Sie es gerne hätten, trägt diese Zeit dennoch zu Ihrer Entwicklung bei. Bewahren Sie Ihre Ausdauer und machen Sie auch bei Rückschlägen weiter.

Betrachten Sie das Nichtweiterkommen wie der berühmte Erfinder Thomas Alva Edison, der selbst nach tausenden Fehlversuchen Ausdauer bewiesen hat und schließlich die Glühlampe erfand. Jeder Fehlversuch war für Ihn einfach nur ein Weg, wie es schon mal nicht funktioniert. Nach den nötigen Versuchen hat er es dann aber doch geschafft!
Eine wichtige Erfolgsregel lautet daher: Jedes „Nein“ bedeutet entweder „Nein, SO nicht!“, oder „Nein, NOCH nicht!“. Die Folge, die sich daraus ergibt lautet: Eigenverantwortung übernehmen, sich selbst täglich verbessern und einen neuen Versuch unternehmen – so oft, bis es dann eines Tages klappt.

Talent vs. Wiederholung & Gewohnheit

Je genauer sich Psychologen die Biografien der Begabten ansehen, umso unwichtiger wird das Talent und umso wichtiger die Ausbildung und Persönlichkeitsentwicklung.
Ein erstes Beweisstück in dieser Talentdiskussion, ist eine Untersuchung, die der Psychologe K. Anders Ericson und seine deutschen Kollegen Ralf Krampe und Clemens Tesch-Römer Anfang der neunziger Jahre an der Berliner Hochschule der Künste durchführten. Mit Unterstützung der Professoren teilten sie die Violinisten der Hochschule in drei Gruppen ein. In der ersten Gruppe waren die Stars, die das Zeug zu Weltklassesolisten hatten. In der zweiten Gruppe waren die „guten“ Violinisten und in der dritten solche, die vermutlich nie als professionelle Konzertmusiker auftreten und stattdessen eher als Musiklehrer an die Schulen gehen wollten. Sämtlichen Studierenden stellten die Wissenschaftler dieselbe Frage: Wenn Sie Ihre gesamte Laufbahn zusammennehmen, beginnend mit dem Tag, an dem sie das erste Mal eine Geige in die Hand genommen haben – wie viele Stunden haben Sie dann insgesamt geübt? Was denken Sie?
Die Angehörigen aller drei Gruppen hatten mehr oder weniger im gleichen Alter begonnen, nämlich mit etwa fünf Jahren. Am Anfang hatten alle mit rund zwei oder drei Stunden pro Woche etwa gleich viel geübt. Doch im Alter von acht Jahren ergaben sich die ersten erkennbaren Unterschiede. Die Studenten, die heute zur Gruppe der Besten gehörten, begannen intensiver zu üben als die anderen: im Alter von etwa neun Jahren etwa 6 Stunden, im Alter von zwölf etwa acht, im alter von vierzehn rund sechszehn Stunden pro Woche und so weiter, bis sie im Alter von zwanzig Jahren mehr als dreißig Stunden pro Woche übten mit dem erklärten Ziel, ihr Spiel zu verbessern. Im Alter von 20 Jahren hatten diese Elitemusiker und –musikerinnen insgesamt rund 10.000 Stunden geübt. Im Gegensatz dazu kamen die „guten“ Studierenden nur auf etwa 8.000 Stunden Spielpraxis und die künftigen Musiklehrer auf knapp über 4.000.

Daraufhin verglichen die Psychologen Amateur- und Profi-Pianisten. Es ergab sich dasselbe Muster: Amateure übten in ihrer Kindheit nie öfter als dreimal pro Woche und hatten im Alter von 20 Jahren rund 2.000 Stunden Übungspraxis. Die Profis hatten dagegen Jahr für Jahr mehr geübt und kamen, genauso wie die Geiger, im Alter von 20 auf etwa 10.000 Stunden.
Auch aus meiner Erfahrung im Leistungssport kann ich diesen Wert bestätigen. Ein richtig ambitionierter Jugendlicher spielt spätestens ab dem 13. Lebensjahr 3 Stunden täglich Tennis, in der Regel ist dieses Pensum auf den Tagesdurchschnitt gerechnet sogar deutlich früher erreicht, wenn man berücksichtigt, dass das Kind ja meist schon 5-7 Jahren mit dem Tennissport begann. Diejenigen die heute in der Weltrangliste in den erlauchten Kreis der besten 10-20 Spieler aufsteigen, sind keine 16 oder 17jährigen mehr, sondern lauter Spielerinnen und Spieler im Alter von Anfang bis Mitte 20 Jahre.

Die Vorstellung, dass Höchstleistung bei der Ausführung einer anspruchsvollen Tätigkeit ein kritisches Minimum an Praxis erfordert, begegnet uns bei Untersuchungen des Expertentums immer und immer wieder. „Diese Untersuchungen zeigen, dass 10.000 Übungsstunden erforderlich sind, um dieses hohe Maß an Kompetenz zu erarbeiten, das man von Experten von Weltrang erwartet, und zwar auf jedem Gebiet„, schreibt der Neurologe Daniel Levitin.
„Es ist bislang kein Fall bekannt, indem Expertentum von Weltrang innerhalb kürzerer Zeit erworben wurde. Es scheint, als benötigte das Gehirn so lange, um zu assimilieren, was nötig ist, um eine Tätigkeit wirklich zu beherrschen.“

2 Gedanken zu „Die 10.000-Stunden-Regel

  1. In jedem Falle spannend. Wenn ich das einmal auf das „normale“ Berufsleben übertrage ergibt sich schon ein ernüchterndes Bild. Zuerst einmal vorweg, die meisten Menschen würden auch bei Einhaltung der 10.000 Stunden-Regel eben kein Weltklasseniveau erreichen. Das spielt allerdings auch keine Rolle, in jedem Falle hätten sie beachtliche Fähig- und Fertigkeiten antrainiert. Bleiben wir doch einmal im realen Bereich des Erwerbslebens. Ein Studium zähle ich an dieser Stelle nicht dazu, denn es dient in den meisten Fällen lediglich dazu, eine gewisse Methodenkompetenz zu erwerben und eine hohe Bereitschaft zum Auswendiglernen an den Tag zu legen. Eine echte Vorbereitung auf das Berufsleben fehlt in den meisten Studienfächern gänzlich. In der idealen Welt ist der Absolvent jetzt 24 Jahre alt und mit einer unglaublich steilen Lernkurve vor sich. Ausbildung und Traineeprogramm auf rund 3 Jahre ausgerichtet. 300 Tage im Jahr??? Eher nicht, vielleicht 240, großzügig gerechnet. Wie viele Stunden pro Tag dienen tatsächlich dem Erwerb echter fachbezogener Kompetenz? Vielleicht 4, im Idealfall. Macht dann 2.880 Stunden. Mit der erfolgreichen Absolvierung des Traineeprogramms, der Ausbildung, beginnt zumeist sehr häufig der Start in ein Routineprogramm, das von sehr vielen Menschen nie wieder verlassen wird. Der Erwerb zusätzlicher oder die professionelle Wiederholung und Vertiefung bereits erworbener Fähigkeiten findet wenn überhaupt nur noch auf sehr überschaubarem Niveau statt. Wenn ich hier einmal im Durchschnitt 20 Tage p.a. für Seminare / Trainings / Workshops etc veranschlage, dann ist das mit Sicherheit schon sehr optimistisch. Selbst wenn ich hier tatsächlich 8 Stunden pro Tag ansetzen möchte, dann kommen lediglich 160 Stunden p.a. hinzu auf dem Weg zur Erlangung ganz persönlicher Exzellenz. Die 10.000 Stunden-Regel wird bei uns mit Sicherheit in 99 Prozent der Fälle niemals erreicht (hier schließe ich mich ebenfalls ein). Das bestätigt allerdings auch meinen Eindruck von der gegebenen und erlebten Qualität in vielen Unternehmen. Hurra, es lebe der Durchschnitt. Auf den Sport bezogen bedeutet dies, dass sich die Erwerbstätigen maximal auf Kreisliganiveau bewegen. Hierin liegt dann auch die besondere Chance derjenigen, die mehr wollen, die bereit sind, den inneren Schweinehund zu überwinden. Mit einem überschaubaren persönlichen Mehreinsatz lässt sich schon viel erreichen, alleine deshalb, weil so viele andere in ihrem persönlichen Phlegma vor sich hin dümpeln.

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