Vom Wissen zum Tun

Man sagt: „Der Wissende weiß, was er weiß. Der Weise tut, was er weiß.“ Kaum ein zweiter Satz den ich kenne, trägt soviel Wahrheit in sich, wie dieser. Während meiner Arbeit als Mentaltrainer im Profisport, als Speaker oder gerade auch als Unternehmens-Coach, habe ich die Erfahrung gesammelt, dass das alte Dogma „Wissen ist Macht“ schon längst keine Spielregel für Erfolg mehr ist.Vor kurzem kam ich in der Pause meines Vortragsprogramms ins Gespräch mit zwei Männern. Einer davon dankte mir schon vorab für den inspirierenden Abend. Sein Kollege meinte: „Naja ich finde ihr Programm auch recht gut. Aber vieles von dem was sie erzählen, kenne ich schon.“ Meine Antwort darauf war: „Zwischen etwas kennen und etwas können liegen Welten.“ Darauf er: „Ich glaube ich kann es auch.“ Darauf ich: „Wenn Sie schon alles können, warum sind Sie dann überhaupt da?“ Stille. Darauf hatte er keine Antwort und fing an nachzudenken.

Vom Wissenschaftler zum Machenschaftler

Nach Ende des Vortragsevents kam der scheinbar allwissende Mann nochmals alleine zu mir an die Bühne und stellte mir folgende gute Frage: „Woran erkenne ich, ob ich das kann was ich zu wissen glaube?“. Die Antwort darauf ist aus meiner Sicht relativ simpel. Wenn man das tut, was man weiß, dann wird man es eines Tages auch können. Nur so entsteht Kompetenz. Vom Denken alleine kommt kein Erfolg. Auch nicht vom philosophieren, abwägen oder theoretisieren. Ich selbst präsentiere immer in meinen Vorträgen auch theoretische Fakten, aber nur soweit das Ganze einen praktischen Mehrwert bietet. Ich bin kein Wissenschaftler, sondern ein „Machenschaftler“. Menschen lernen durch nichts so schnell, wie durch praktische Erfahrungen und Erlebnisse. „Learning by doing,“ „trial and error,“ oder „ins kalte Wasser springen.“ – Es gibt viele Redewendungen, die ausdrücken, auf welche Art Menschen sich wirklich entscheidend weiterentwickeln.

Der persönliche Entwicklungszyklus durchläuft 4 Phasen. Zunächst brauchen Sie eine positive, offene Einstellung dem Neuen gegenüber. Diese Bereitschaft ist Stufe 1. Auf Stufe 2 kommt der Faktor „Wissen“ ins Spiel. Natürlich müssen Sie sich, bevor Sie etwas tun wollen, auch ein gewisses Maß an Know-how aneignen, das ist unverzichtbar! Es gibt doch nichts schlimmeres als einen positiv eingestellten, motivierten Vollidioten!
In Phase 3 kommt dann aber der entscheidende Punkt: Sie müssen das, was Sie sich unter postiver Einstellung an Wissen angeeignet haben umsetzen und üben. Dabei spielen zwei Faktoren eine Rolle: Die Umsetzungsqualität und auch die Umsetzungsquanität. Es ist wichtig bestimmte Dinge sehr häufig zu wiederholen, denn Wiederholung schafft Gewohnheit und Routine. Wenn diese Quantität von einer möglichst hohen Qualität gestützt wird, indem Sie das was Sie tun auch wirklich bewusst ausführen, dann kommen Sie mit höchster Wahrscheinlichkeit in Stufe 4: Die neue Fähigkeit! Durch diese Erfahrungen hat sich Ihre Persönlichkeit nun weiterentwickelt. Bedenken Sie immer: Alle Erfolgreichen Menschen in der Welt, sind keine „Wisser“, sondern „Macher“!

Das große Problem bei vielen Menschen wie auch Unternehmen in Deutschland, ist die große Kluft zwischen Phase 2 und Phase 3 – dem Übergang vom Wissen zum Umsetzen/Üben. Nicht umsonst ist Deutschland Weltmeister in der Patentanmeldung, aber umgesetzt werden die Patente zu einem erschreckend hohen Anteil im Ausland.

Wissen Sie, wie Strom funktioniert?

Das Schöne ist: Wir brauchen nicht über alles bis ins Detail bescheid zu wissen, um es sinnstiftend für uns, unser Unternehmen oder andere Menschen einsetzen zu können. Seien Sie mal ehrlich: Wissen Sie denn eigentlich wie Strom bzw. Elektrizität wirklich funktioniert? Also ich nicht. Aber ich weiß, dass meine Lampe in der Regel leuchtet, wenn ich auf den dazugehörigen weißen Knopf drücke. Und falls sie mal nicht leuchtet, weiß ich, was ich dann zu tun habe, damit sie wieder leuchtet. Kompetenz ist nicht, wenn man bescheid weiß, sondern wenn man sich zu helfen weiß!

Glauben Sie mir, es gibt soviele möchtegern-schlaue Menschen, die einen Lebenshilfe-Ratgeber nach dem anderen lesen, von einem Vortrag zum nächsten rennen und ihre Birne mit soviel Theorie und weisen Erkenntnissen füttern, dass sie dann meinen, anderen Personen kluge Ratschläge für deren Leben aufdrängen zu müssen. Denn man weiß ja soviel. Und deswegen doktert man gerne im Leben von anderen herum – vor allem wenn man sein eigenes Leben nicht mehr aushält. Weltmeister im Wissen, Analphabet im Tun.

Wie wird man zum Macher? Verbrennen Sie Ihre Schiffe!

Einer der Schlüssel zur Umsetzung eines Vorhabens ist, dafür eine alternativlose Entscheidung im Inneren zu treffen. Solange verlockende Rückzugsmöglichkeiten bestehen, wird es an Entschlossenheit für den Angriff nach vorne, also für das Tun, mangeln. Als im Jahr 1519 der spanische General Hernando Cortez mit seiner stark dezimierten und angeschlagenen Armee im Strand von Mexiko einlief, war einer seiner ersten Befehle an seine Männer, die eigenen Schiffe zu verbrennen. Cortez hatte sich seiner Mission der Eroberung innerlich verpflichtet und wollte weder sich, noch seinen Männern überhaupt eine Möglichkeit geben, schwach zu werden und nach Spanien zurückzukehren. Indem er die Schiffe verbrennen ließ, zwang er sich und seine Männer dazu, sich darauf zu fokussieren, die Mission zu Erfolg zu führen, was ihm damit übrigens auch gelang.

Einen Fluchtweg zu versperren, unterstützt Sie dabei, sich auf Ihr Ziel zu fokussieren und vorwärts zu gehen. Dabei sollten Sie aber auch bedenken, dass Cortez nur befahl, die Schiffe zu versenken, aber nicht das Essen oder anderes Material. Einen Fluchtweg zu versperren, um die Motivation zu erhöhen, bedeutet nicht, unvorsichtig und unkontrolliert vorzugehen, oder notwendiges Wissen bzw. Know-how zu ignorieren. Aktionismus und Ignoranz führen niemals auf den Erfolgspfad. Das Erreichen Ihrer Ziele erfordert weiterhin sorgfältige Planung und theoretische Grundlagen. Doch bedenken Sie immer, dass Ihr theoretischer Schatz aus Wissen und Information erst dann einen echten Wert bekommt, wenn Sie sich innerlich dazu verpflichten, ihn praktisch zu nutzen. Denn nur in den Momenten Ihrer Entschlossenheit, wird Ihr Schicksal geformt!

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