Kein Kind ist unmotiviert!

Unmotiviert, lustlos, Null-Bock, kein Antrieb – die junge Generation wird immer fauler, stimmts? Nein! Es gibt nämlich keine von Natur aus unmotivierten Menschen. Im Bezug auf Kinder gilt folgende Weisheit: „Ein Kind ist kein Gefäß, das gefüllt, sondern ein Feuer, das entzündet werden will.“ Diese Aussage stammt vom französischen Dichter Francois Rabelais (um 1494 – 1553). Ich zitiere seinen Satz gerne gleich innerhalb der ersten 10 Minuten in meinen Elternvorträgen an Schulen. Ich spreche es aus – blicke ins Publikum. Stille. Die Meisten beginnen nach und nach mit dem Kopf zu nicken. Eltern, Großeltern, aber gerade auch Lehrer. Diejenigen also, die gezwungen sind, Kinder und Jugendliche überwiegend auf eine Art und Weise zu unterrichten, die ihnen selbst als Schüler widerstrebte. Sie sind gefangen im System.

Wie man das Gespenst der „unmotivierten Null-Bock-Generation“ vertreibt

Jedes Jahr fragen sich viele Lehrer und noch mehr Eltern auf Neue, warum ihre Kinder und Schüler keinen Bock aufs Lernen haben, scheinbar völlig unmotiviert sind und keinen Peil haben, was sie später im Leben mit sich anfangen sollen? Es ist nicht, weil sie nicht wissen, wofür sie brennen. Es geht viel mehr um Leidenschaft und Begeisterung. Denn wer lediglich von außen vorgegebene Ziele erreichen soll (durch Schule oder Eltern aufgezwungen), entwickelt dabei keine positiven Emotionen. Diese aber sind nötig, um dauerhaft motiviert durchs Leben zu gehen.

Der Leidenschaft liegen stets ein oder mehrere Motive zugrunde. Diese sind der Grund dafür, warum und wofür ich etwas beginne zu tun und das sogar mit Freude. Innere Motive sind der Motor für Menschen, um etwas in Eigeninitiative zu erreichen. Leistung ist ein menschliches Grundbedürfnis und steht immer in direktem Zusammenhang mit inneren Motiven. Kinder wollen nicht nur funktionieren und schon gleich gar nicht unmotiviert ihre Lebenszeit vergeuden – Kinder wollen von Geburt an leisten.

Die Motive eines jeden Kindes sind allerdings höchst unterschiedlich. Und sie liegen bei den Meisten höchstwahrscheinlich sonst wo – nur nicht in der Schule. Und hier fängt das ganze Dilemma nämlich an:
Individuelle Motivation ist in Schulen im Lehrplan nicht vorgesehen. Gefördert wird Wissen, weniger die Lust am Wissen. Gut benotet werden Auswendiglerner, keine Querdenker. Alle Schüler/innen sind außerdem in den Augen des Schulsystems gleich und werden gleich behandelt. Ist es fair, ungleiche Menschen gleich zu behandeln?

Die logische Folge: Die Motivation verschwindet, da an den Motiven der Jugend vorbeiunterrichtet wird. Eine gute Note zu erzielen, soll Motivation genug sein – aber wer findet das alleine schon sexy? Was fehlt, ist das Gefühl der Lust am Tun. Gelernt wird, weil man muss, nicht weil man will oder wüsste wofür. Kinder bekommen gesagt, dass sie nicht für die Lehrer oder die Schule lernen – aber fürs Leben lernt man auch herzlich wenig. So können Menschen nicht brennen, sondern nur ausbrennen.

Lösungsweg 1: Die eigene Vision entdecken

Auch innerhalb dieses starren Schulsystems gibt es individuelle Auswege aus der Demotivationsspirale. Was scheinbar unmotivierten Kindern fehlt, ist eine Vision. Ein Lebenstraum oder Fernziel, der über den Schulabschluss hinausgeht, denn Träume sind mit Emotionen verbunden. Die zentralen Fragen lauten: Was würde ich in meinem späteren Leben am liebsten machen? Wie könnte ich mir diesen oder einen ähnlichen Traum erfüllen? Gefragt ist ein Umsetzungsplan.

Keine Sorge, niemand muss nun sein Leben von A bis Z Woche für Woche durchstrukturieren. Der Lösungsansatz ist viel einfacher: Streichen Sie den Standardsatz „Und wie wars heute in der Schule?“ aus Ihrem Fragenkatalog und beginnen Sie anstatt dessen mit Ihrem Kind wieder über Träume zu sprechen und ermutigen Sie es bei der Verfolgung der eigenen Visionen. Ganz gleich, ob Sie persönlich diese für unrealistisch halten – es geht darum, dass Kinder für etwas im Leben kämpfen und sich aus diesem Grund weiterentwickeln. Auf dem Weg zum Ziel wird den Meisten oftmals von alleine klar, dass es sinnvoller ist, die Zielvision zu korrigieren und auf eine realistische Ebene zu bringen. Kinder werden von alleine realistisch, denn am Ende will jeder Mensch den Erfolg. Zerstören Sie nicht mit Vernunftpredigten im Vorfeld die Lebensträume junger Menschen.

Ein eindrucksvolles Video zu dieser wichtigen Kernaussage, finden sie hier: http://www.youtube.com/watch?v=gGo9Bl__lnU

Solange ein Mensch Träume hat, geht er motiviert durch seinen Alltag. Wenn ein Kind seine Vision kennt und weiß, worauf es langfristig gesehen hinarbeitet, werden die kurzfristigen Hürden wie z.B. Schulaufgaben auch mit mehr Energie in Angriff genommen. Kreieren Sie mit Ihren Kindern das Leben nach dem Ende der Schullaufbahn und lassen Sie ihre Träume hochleben.

Lösungsweg 2: Die individuelle Motivation entdecken

Fakt ist: Kinder und Jugendliche sind niemals grundsätzlich unmotiviert sondern immer von Natur aus motiviert. Den erneuten Beweis hat dafür wieder die vor kurzem veröffentlichte Verbraucher-Analyse der Axel Springer AG und Bauer Media Group offenbart. Laut dieser Studie sind die 12- bis 17-Jährigen in unserem Land weder desinteressiert noch planlos. Der Punkt ist, dass wir akzeptieren müssen, dass junge Menschen zumeist anders motiviert sind, als wir selbst. Den inneren Antrieb von Jugendlichen erkennt man, wenn man ihnen zuhört.

Was liebt ihr Kind? Ist es ein Sportnarr? Ist es gerne für sich alleine oder ein Herdentier? Manche Kinder lernen deswegen ungerne, weil sie dabei meist alleine sind. Viele Kinder brauchen die Gruppe, das Teamwork, den ständigen Austausch mit Menschen. Ist Ihr Kind ein Wettkampf-Typ und sucht gerne den Vergleich mit anderen? Machen Sie sich bewusst, bei was Ihr Kind strahlende Augen bekommt, denn hier liegen die inneren Motive verborgen. Befeuern Sie in der Aufgabenstellung diese Motive. Genauso wichtig ist aber auch, wovor Ihr Kind am meisten Angst hat, denn auch hier liegen Motive im Gegenteil verborgen.

Kinder, die Angst davor haben, alleine gelassen zu werden, sind ganz klare Beziehungs-Menschen. Sie brauchen einen ihnen wohl gesonnenen Partner. Kinder, die es hassen, wenn ständig über sie bestimmt oder entschieden wird, haben ein klares Macht-Motiv. Das heißt, man muss ihnen früh Verantwortung geben und in bestimmten Bereichen die eigenverantwortliche Führung überlassen.
Manche Kinder sind über Harmonie zu motivieren. Viele über den direkten Wettbewerb. Ein junges Fußballtalent (10 Jahre alt), das ich gerade coache, war nach einer Weile völlig unmotiviert, bei einer bestimmten Übung ein vorgegebenes Ziel zu erreichen. Der Vorschlag, sich dabei mit dem besten Kumpel zu messen, motivierte es sofort, weil es jetzt nicht mehr um die Anerkennung des Vaters ging, sondern um den Wettkampf-Vergleich mit einem Freund.

Fazit:
Lassen Sie sich nicht von der Gleichmacherei in der Schule demotivieren. Finden Sie heraus, für was speziell ihr Kind innerlich brennt und kreieren Sie eine Fernvision für Lebensträume. Reden Sie nicht soviel über Berufschancen in verschiedenen Branchen oder über Noten, sondern über Träume, die Ihr Sprössling hat und für die eine Leidenschaft besteht.

Motivation führt Menschen durch den Tag, aber Inspiration führt Menschen durchs Leben. Visionen dienen der Inspiration.

11 Gedanken zu „Kein Kind ist unmotiviert!

  1. Alle Artikel finde ich spitzenmäßig!!! Aber bei diesem Beitrag,bin ich sehr,sehr traurig,daß meine Kinder schon erwachsen sind,hätte ich in ihrer Schulzeit diese Informationen gehabt,wäre unserer ganzen Familie sehr viel Ärger und Auseinandersetzungen erspart geblieben,jetzt hoffe ich darauf,Enkelkinder zu bekommen,dann wird es mir ein starkes Bedürfnis sein,die Kinder u n d die Eltern in die richtige Richtung zu führen!

  2. Also dieser Artikel hat eigentlich bestätigt was ich innerlich schon lange wußte nur habe ich mich nicht so richtig getraut das unseren Jungs so beizubringen. Aber jetzt habe ich mit diesem Artikel ein echt starke Argumente zur Verfügung und das macht mich froh und heiter und damit auch unsere Jungs, denn dadurch kann ich Ihnen viel Druck nehmen und sie können den Beruf wählen dehn sie für richtig halten. Vielen Dank
    Werner Hohlrieder

  3. Danke für diesen wunderbaren Artikel!
    Ich habe gerade mein Abitur (fast) hinter mich gebracht und komme nun mit Abstand, weitestgehend gelöst von dem Immergleichen in der Schule, endlich wieder in den Genuss der Freiheit, die sich eben genau in diesen Träumen eröffnet. Viel zu lange ist den Menschen diese Freiheit in der Schule und oft auch danach verloren gegangen.
    Ich wünsche vielen anderen Menschen, egal ob Lehrer, Schüler oder Eltern, diesen Artikel zu lesen und zu beherzigen!

    • Da ist nur ein einziger Satz, den ich selbst so nicht als richtig empfinde: „Kinder, die es hassen, wenn ständig über sie bestimmt oder entschieden wird, haben ein klares Macht-Motiv.“
      Wie ich finde, ist der Hass über Fremdbestimmung doch ein natürliches Phänomen. Kant hätte gesagt, der Mensch soll sich „seines eigenen Verstandes“ bedienen, womit er doch sagt, dass der Mensch selbstbestimmt handeln soll. Ich empfinde Menschen ohne dem so benannten „Macht-Motiv“ als wenig selbstbewusst und um wirklich zufrieden zu sein, ist das Selbstbewusstsein verbunden mit einer Annhahme seiner selbst notwendig.
      Mich würde sehr interessieren, wie andere Leser des Beitrags zu dem angesprochenen Aspekt stehen und freue mich über jede Resonanz.

      • Meine Tochter ist ausgesprochen selbstbewusst und hasst es tatsächlich, wenn ihr jemand zeigen will „wer hier der Boss ist“. Genau das bringt ja so viele ältere Kinder auf die Palme und es entstehen Machtkämpfe, weil Teenager anfangen müssen sich zu behaupten. Und ich selbst war als Kind in der Pubertät so cool, unantastbar aber wenn ein strenger Lehrer kam war ich mucksmäuschen still und hatte Respekt. Ich hatte dieses Macht Motiv nicht, bei mir hat das schon gezogen, evtl. weil mein Vater sehr streng war und ich gehorchte? Ich glaube eben schon, dass es solche und solche gibt, egal wie selbstbewusst sie sind. Meine Tochter und ich selbst sind mir mein bestes Beispiel.

  4. Der Artikel ist Top ich muss in der Schule ein Referat darüber halten, wie man Jugendliche gut motivieren kann, und Sie Steffen haben mir sehr gut dabei geholfen. Vielen Dank

  5. Danke, wirklich so toll! Da werden ich immer so traurig, wenn es jemand auf den Punkt bringt und ich aber das meiner Tochter nicht mehr nahebringen kann! Sie ist wegen bestimmten Ereignissen seit einem Jahr so negativ und hat gar keine Motivation ich glaube nicht Mal mehr einen Traum. Ich versuchs herauszufinden finden, so dass ihre Teene Seele wieder brennt für was auch immer!!!

  6. Es ist sicherlich gut gemeint, aber ich halte es fuer vollkommen unrealistisch davon auszugehen, dass Kinder grundsaetzlich motiviert sein muessten. Jedes Kind hat Momente, in denen es nicht zu motivieren ist und das ist dann auch in Ordnung. Dieses schon fast zwanghafte Diktat nach Non-Stop Moitivation geht vollkommen am Kind und am Leben vorbei. Dabei fuehrt es zu einem grossen Probem: Kinder und Jugendliche fragen sich heutzutage viel zu oft, ob sie motiviert sind, ob etwas „Spass macht“. Wenn sie dann zu dem Schluss kommen, dass etwas keinen Spass macht, lassen sie den Griffel einfach fallen. Was dabei auf der Strecke bleibt ist das Durchhaltevermoegen, die Ausdauer. Sowohl das eine, als auch das andere sind aber grundlegende Voraussetzungen fuer jede gute Arbeit. Menschen, die sich staendig nur fragen, ob ihnen eine Aktivitaet genehm ist, werden sich im Erwachsenenalter sehr schwer damit tun, ihre Arbeit konzentriert zu Ende zu fuehren. Denn ganz gleich, was man tut, es macht eben nicht immer Spass und man ist auch nicht immer motiviert – trotzdem fuehrt man etwas zu Ende.

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