Wie man seine Willenskraft steigert

Willenskraft kann man lernen, wenn man die richtige Strategie dafür hat. Meiner Erfahrung nach ist ein Gewöhnungstraining der beste Weg, um das Wollen zu stärken. Wenn man sich zu unangenehmen Aufgaben nämlich nicht aufraffen kann und einem die Energie zur Bewältigung fehlt, liegt es in der Regel an fehlenden Gewohnheiten. Denn Routinen benötigen weniger Energieaufwand als Ungewohntes. Heute zeige ich Ihnen eine Übung aus meiner Coachingpraxis, mit der Sie durch eine Gewöhnungsstrategie messbare Willenskraft-Steigerungen verzeichnen können.

Aus meiner Erfahrung im Leistungssport weiß ich: Wer an eine bestimmte Belastung nicht ausreichend gewöhnt ist, fühlt sich schnell überfordert. Kein Hobbysportler kann die Tour de France auf Anhieb meistern, ohne entsprechende Vorbereitung. Ganz im Gegenteil: Diese spontane Überbelastung würde sehr wahrscheinlich sogar tödlich enden, aufgrund der erreichten pH-werte in der Muskulatur. Da hilft auch kein positives Denken! Auf der anderen Seite bekommt ein Topfahrer der Tour-de-France regelrechte mentale sowie physische Entzugserscheinungen, wenn er ein paar Tage lang nicht hart trainieren kann.

Die Qualität Ihrer Gewohnheiten bestimmt die Qualität Ihrer Willenskraft

1. Ablauf:
| Definieren Sie eine Tätigkeit, an die Sie sich gewöhnen müssten, um Ihr gewünschtes Ziel zu erreichen.

| Stoppen Sie die Zeit, Dauer oder Menge etc. wie lange oder wieviel Sie diese Tätigkeit heute fähig sind auszuführen. Machen Sie das dreimal innerhalb einer Woche und nehmen Sie den Durchschnitt dieser drei gemessenen Zahlen. Das ist Ihr aktueller Status quo.

| Nun setzen Sie sich ein erstes Ziel: Steigern Sie diesen Durchschnittswert in der kommenden Woche um genau zwei Prozent. Sie haben richtig gelesen – um genau zwei Prozent! Nicht mehr und auch nicht weniger.

2. Praktisches Beispiel:
Angenommen Sie wollen die Willenskraft entwickeln, um es zu schaffen, an einem Halbmarathon teilzunehmen. Nun messen Sie, wie lange Sie derzeit am Stück laufen können, ohne sich total zu überanstrengen. Beispielhaft sagen wir, Sie schaffen heute 25 Minuten, übermorgen 33 Minuten und in vier Tagen 26 Minuten. Das ergibt einen Durchschnittswert von 28 Minuten, also 1680 Sekunden. Für die kommende Woche ist Ihr Ziel nun die Steigerung von zwei Prozent. Das bedeutet, Sie müssen rund 34 Sekunden länger laufen. Ihr Ziel in der kommenden Woche ist also eine Laufzeit von 28,34 Minuten.

Wenn Sie sich nun denken, dass diese Steigerung doch viel zu gering ist, möchte ich Ihnen an dieser Stelle einen wichtigen Impuls mit auf den Weg geben: Viele Menschen überschätzen komplett wie viel sie kurzfristig erreichen können, und unterschätzen auch komplett, wie viel sie langfristig erreichen können, wenn sie genau diese Gewöhnungsstrategie der kleinen Schritte verfolgen.
Wenn Sie jede Woche nur diese mickrigen zwei Prozent Steigerung drauflegen, haben Sie sich in einem Jahr um über 100 Prozent gesteigert. Ist das ein toller Erfolg, oder nicht?! Glauben Sie mir: Sie werden und dürfen dann richtig stolz auf sich sein.

3. Adaption:
Passen Sie nun dieses Beispiel an Ihre Herausforderungen an. Nicht jede Aufgabe kann man mit einer Stoppuhr feststellen. Wichtig ist dennoch, dass Sie Ihren aktuellen Status quo in irgendeiner Form messbar machen. Versuchen Sie einen Wert zu ermitteln, der die Dauer, Häufigkeit, Intensität oder Menge Ihrer derzeitigen Leistungsfähigkeit in irgendeiner Form darstellt.
Es ist wirklich entscheidend, dass Sie mit Daten beginnen zu arbeiten! Wer seine Willenskraft steigern will, muss auf objektive Zahlen zur Kontrolle zurückgreifen, nicht auf das momentane Bauchgefühl.

Also: Messen Sie Ihren momentanen Status quo, und dann erhöhen Sie um zwei Prozent in der nächsten Woche. Falls es in Ihrem Fall nicht möglich ist, zwei Prozent exakt zu berechnen oder zu bemessen, wählen Sie einen möglichen kleinen Steigerungsschritt, der Sie ein bisschen näher an ihr Ziel bringt.
Glauben Sie mir: Wenn Sie jede Woche einen winzigen Schritt vorwärts gehen, bei dem Sie sich nicht überfordern, ist das über die Dauer eines Jahres eine riesige Strecke! Entscheidend ist nicht die Größe des Schrittes, sondern die Richtung in die der Schritt geht! Das Schönste an der ganzen Sache ist: Sie haben jede Woche ein kleines             Erfolgserlebnis. Das stärkt zusätzlich noch Ihr Selbstbewusstsein!

Fazit:
Verändern Sie nicht von einem Tag auf den anderen Ihr komplettes Leben. Beginnen Sie vielmehr Ihr langsames Ändern zu leben! Große Ziele erreicht man, in dem man jeden Tag einen kleinen Schritt darauf zu geht!

3 Gedanken zu „Wie man seine Willenskraft steigert

  1. Danke auch für den Hinweis.
    Diesen Weg kann jeder beschreiten, egal wo er sich im Moment befindet ! ….und egal um welche positiven Fähigkeiten es geht, sie zu verbessern. Jeder Tag ist so wertvoll….!!!

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