Unsere beliebtesten Ausreden – Teil 5: „Schwierigkeit“

Der Mensch mag von Natur aus keine Schwierigkeiten. Sicher kennen Sie den typischen Satz „Ja Du hast schon Recht, aber das ist halt nicht so einfach.“ Derartige Aussagen sind das tagtägliche Handwerkszeug von Komfortzonen-Junkies, mit denen man über notwendige Schritte zur positiven Veränderung des Lebens spricht, aber vom Gegenüber dann als letztes Totschlagargument hört: „Tja, wenn das so leicht wäre.“ Derartige Sätze schalten unser Gehirn aus und uns in einer passiven Opferhaltung verharren. Warum der Mensch so ist, hat vor allem neurobiologische Gründe. Lassen Sie uns genauer auf diese Gründe schauen und was wir tun können, um vor Schwierigkeiten nicht ein Leben lang davon zu laufen.

Eine Schwierigkeit zu überwinden kostet Energie – manchmal sogar wirklich viel Energie. Für unseren Biomechanismus ist dies ein Problem, denn er ist grundsätzlich auf „Energie sparen“ programmiert. Das Prinzip der Selbstorganisation besagt, dass sich jedes lebende System (ganz gleich ob aus der Menschen-, Tier- oder Pflanzenwelt) immer so organisiert, dass die Abläufe innerhalb dieses Systems so gestaltet werden, dass dabei möglichst wenig Energie aufgewendet werden muss.

Der Mensch ist ein Energiesparmodell

Nehmen Sie als Beispiel unser Gehirn: In diesem sehr lebendigen, in sich geschlossenen System sind alle Nervenzellen und Gehirnregionen so organisiert, dass sie im Beziehungsaustausch mit anderen Hirnarealen maximal einfach und energiesparend kommunizieren und somit „ans Ziel“ kommen können. Dieses Prinzip gilt auch für den Menschen an sich und somit auch automatisch für die Art und Weise, wie wir zumeist versuchen unser Leben zu gestalten – nämlich im Energiesparmodus. Dies ist keine schlechte Angewohnheit, oder eine Fehlentwicklung unserer modernen Gesellschaft, sondern es ist schlicht und einfach ein seit Milliarden von Jahren erfolgreich existierendes biologisches Grundprogramm. Energie zu sparen wo es möglich ist, ist ganz einfach eine Überlebensstrategie, die sich seit Millionen von Generationen erfolgreich bewährt hat. Aus diesem Grund sollten wir auch nicht böse oder zornig auf andere Menschen (oder auf uns selbst) sein, wenn wieder mal versucht wird, einer Schwierigkeit gekonnt auszuweichen, anstatt sie gleich mutig in Angriff zu nehmen und mit entsprechender Anstrengung zu lösen.

Erst vor kurzem habe ich auf meiner Facebook Seite auf einen meiner Posts wieder den Kommentar gelesen: „Leichter gesagt als getan, manchmal fällt es schwer.“ Worum ging es? Um die Fähigkeit mit der (negativen) Vergangenheit abzuschließen, damit diese einem nicht die Gegenwart versaut. Der Einwand des Users war nachvollziehbar, denn für wen ist es schon einfach, die Vergangenheit loszulassen und wirklich abzuschließen. Die Schwierigkeit dabei entsteht aus meiner Sicht, in der starken Zielorientierung. Man kann nicht ans Ziel kommen bei dem Versuch, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten oder loszulassen. Denn es gibt dabei kein Ziel. Die Vergangenheit ist Teil unseres Lebens. Wer seine Vergangenheit auflösen möchte, würde dabei den Versuch unternehmen, einen Teil von sich selbst aufzulösen! Es geht also auch bei dieser Schwierigkeit (wie übrigens bei allen Schwierigkeiten) nicht darum, an ein Ziel zu kommen, sondern einen Prozess zu entwickeln. Der Prozess sieht vor, bestimmte Gewohnheiten und Rituale zu erschaffen, die einem dabei helfen, den ggf. negativen und anstrengenden Teil der eigenen Vergangenheit besser zu akzeptieren und das Gute daran zu erkennen. Vergessen Sie also beim Lösen von Schwierigkeiten diese ständige Zielorientierung, wo Sie irgendwo „ankommen“ wollen, und kommen Sie anstatt dessen in eine Aktionsorientierung, die Gewohnheiten erschafft um täglich stärker zu werden. Erfolgregel Nr. 1: Nichts ist einfach, bis es zur Gewohnheit geworden ist.

Wie man die Veränderungs-Phobie lernt zu überwinden

Wer Schwierigkeiten überwinden will, braucht eine Strategie. Jede gute Strategie auf der Welt sieht vor, sich Schritt für Schritt nach vorne zu bewegen, um einen Zustand (Position) zu gewinnen, in der man sich stark fühlt (oder zumindest stärker als zuvor). Genau darum geht es, und nicht darum, immer ein Ziel erreichen zu müssen. Der Satz „Das ist aber halt nicht so leicht“ zeigt nur, dass ein Mensch noch keine Strategie hat, um vorwärts zu kommen und stärker zu werden im Bezug auf seine Schwierigkeit. Denn das, was ja „nicht so leicht“ ist, ist in der Regel bezogen auf die endgültige Problemlösung (Ziel). Die Frage ist nicht: Ist es leicht? Die Frage ist: Was ist heute richtig? Und was tue ich heute dafür, um wieder einen kleinen Schritt vorwärts zu gehen?! Man unterschätzt extrem, was für eine große Strecke man zurücklegt, wenn man jeden Tag einen kleinen Schritt nach vorne macht.

Es geht darum, aktiv zu werden und einen Schritt zu machen. Es geht aber nicht darum, die Schwierigkeit heute zu lösen. Denn oftmals ist die Schwierigkeit heute noch zu groß, bzw. wir selbst sind noch zu klein und zu schwach, um sie lösen zu können. Aber: Größer und stärker wird man nicht durchs warten, nachdenken und passive Verharren.
Erfolgsregel Nr. 2: Wachstum findet ausschließlich nur in der Bewegung statt.

Das bedeutet, dass Sie anfangen müssen, Ihren Kopf wieder einzuschalten. Sätze wie „Ich würde schon gerne, aber das ist halt nicht so leicht“ schalten das Gehirn komplett aus. Aus diesem Satz entwickelt sich keine Bewegung, keine Aktion und somit auch keine Gewohnheit/Routine. Ohne Gewohnheiten und Aktionen kann somit in der Folge kein Wachstum entstehen.

Die entscheidende Frage für Sie ist also: Was tun Sie HEUTE für einen kleinen Schritt, um den „Berg Ihrer Schwierigkeit“ zu besteigen. Diese Metapher passt, denn auch für eine Bergbesteigung braucht man eine Strategie. Nicht jeder Berg kann an einem Tag bestiegen werden. Man braucht Zwischenstationen, Ruhephase, Partner, Know how usw.. Wichtig ist aber auch bei der höchsten Bergbesteigung: Verfallen Sie niemals in Stillstand. Stärke entsteht durch Gewohnheiten. Vielleicht dauert es manchmal auch etwas länger, um vorwärts zu kommen. Doch entscheidend ist, dass Sie überhaupt gehen. Und diese Entscheidung liegt JETZT bei Ihnen.

Viel Erfolg, Ihr Steffen Kirchner

 

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4 Gedanken zu „Unsere beliebtesten Ausreden – Teil 5: „Schwierigkeit“

  1. Lieber Steffen,
    Viele deiner Gedanken habe ich in meinem Leben wohl rein intuitiv in die Tat umgesetzt, dennoch kommen dank dir immer wieder neue Aspekte dazu und einiges durchschaue ich heute besser. Dafür ein großes Dankeschön!
    Was dich von diesen vielen „Speakern“, die sich auf diesem Markt tummeln, angenehm unterscheidet, ist die Tatsache, dass du ohne jegliche esoterische und marktschreierische Verbrähmung auskommst, sondern einfach das Leben mit seinen uralten Gesetzen erfahrbar machen möchtest. Es gibt, wie wir wissen, kein Patent und Keine Umstände, die uns von außen glücklich machen.
    Das passiert wohl immer zwischen unseren Ohren :-))
    Lieben Gruß und ein schönes Wochenende!

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