Mut braucht Angst: Traut euch!

Wer beneidet nicht oft andere, die mutig etwas Neues wagen – den Schritt in die Selbstständigkeit, in ein neues Berufsfeld, ein Praktikum, Semester oder Job im Ausland, der Umzug in eine neue Stadt. Wäre es bei euch eigentlich auch schon längst Zeit, eure Wohlfühlzone zu verlassen und mit Mut etwas zu unternehmen, in Sachen Beruf oder Familie?

Ich stehe heute bei meinen Vorträgen und Seminaren vor hunderten, manchmal sogar tausend Menschen. Das kann man sicher als mutig bezeichnen. Ich wurde nicht als Rampensau geboren, war als Teenager schüchtern und sogar von Selbstzweifeln zerfressen. Auch heute bin ich noch immer eher introvertiert. Trotzdem macht mir mein Job extrem viel Spaß. Es ist mein absoluter Traumberuf. Ich will euch hier erzählen, wie auch ihr dorthin kommt.

Better safe than sorry?

Das Leben läuft meist ganz okay, so im Sicherheitsmodus. Die Frage ist nur, wollt ihr existieren oder richtig leben? Zu leben bedeutet, sich immer mal wieder außerhalb seiner Wohlfühlzone aufzuhalten, um die wirklich wichtigen Dinge im Leben voranzutreiben. Um dort hinzukommen, müsst ihr euch trotz aller mentalen und emotionalen Unsicherheiten und Schmerzen überwinden und tun, wovor ihr Angst habt.

Mut ist trainierbar

Erfolgreiche Persönlichkeiten haben nicht weniger Ängste als ihr, sind nicht unbedingt mutiger oder talentierter, kämpfen ebenfalls mit vielen Misserfolgen. Der Unterschied ist: Sie tun was sie tun trotzdem. Und zwar meist nicht nur, obwohl sie Angst haben, sondern gerade weil sie Angst haben! Sie haben gelernt, dass sie ihr Selbstbewusstsein aufbauen können, wenn sie ihre Ängste attackieren. Das Ergebnis nennen wir dann Mut. Mut ist also keine angeborene Eigenschaft oder auch kein Zielzustand, sondern Mut ist schlicht und einfach ein Trainingseffekt der aus Übung heraus entsteht und der übrigens genauso wieder vergeht, wenn ihr das Training längere Zeit unterlasst.

Wie ihr eure Ängste attackiert

Ich habe beim Sport angefangen, meine Ängste zu überwinden. Wenn ich auf dem Tennisplatz bei konditionell anspruchsvollen Übungen das Gefühl hatte, nicht mehr zu können, fing ich an, mit mir selbst zu verhandeln. Ich lernte, über meine innere Grenze zu gehen. Ich verhandelte mit meinem Kopf, mit meinem Herzen und auch mit meinem Körper, der manchmal ganz klar sagte, dass er die Schnauze voll hat vom ewigen hin und herlaufen.

Turnierwettkämpfe nutzte ich genauso, meine emotionale Stärke (oder sollte ich besser sagen Schwäche) zu trainieren: Ich wurde oft nervös und glaubte nicht mehr an mich und meine Fähigkeiten. Die Folge war, dass ich anfing vorsichtiger zu spielen, um ja keine Fehler zu machen. Das war exakt die gleiche Problematik wie in meinen anderen Lebensbereichen. Ich ließ mich vom Gegner und meinen eigenen Ängsten in die Enge treiben und spielte nach einiger Zeit so schlecht wie ein Gorilla, dem man einen Tennisschläger an den Arm gebunden hatte.

Die Lösung: Ich lernte, dass ich gerade, wenn mich die Angst bekam und ich begann Fehler zu machen, anfangen musste, das Risiko zu erhöhen, anstatt es zu minimieren. Rein spieltaktisch war diese Strategie natürlich äußerst fragwürdig und meine Trainer dachten manchmal ich wäre auf Drogen. Doch psychologisch gesehen war dieser Schritt richtig und wichtig, denn ich lernte mich zumindest emotional freizuspielen. Natürlich verlor ich oft Matches aufgrund zu vieler Fehler. Doch kurzfristige Ergebnisse spielen in solchen Prozessen keine Rolle. Viel wichtiger war: Ich spielte mutig und war aktiv. Ich selbst bestimmte, was auf
dem Platz passierte, nicht mehr mein Gegner und auch nicht mehr meine Ängste. Ich hatte zwar nach wie vor Angst – doch es ist ein Unterschied ob du Angst hast oder die Angst dich hat.

Warum „Mut“ und „Angst“ keine Gegner, sondern Kollegen sind

Mut ist kein angstfreier Zustand ist. Mut ist die Kraft, das zu tun, was du für richtig empfindest, ohne sicher zu wissen, ob dein Handeln wirklich zum Erfolg führt. Mut ist die Fähigkeit, dein Verhalten zu kontrollieren und das Notwendige zu tun, obwohl du in dem Moment womöglich auch daran zweifelst. Mut ist ohne Angst also gar nicht möglich. Nur wer weiß, was Angst ist, kann auch Mut entwickeln.

Ihr dürft nur nicht ständig zurückweichen, sondern müsst euch der Angst stellen. Wenn ihr sie zu oft meidet, setzen sich Überzeugungen in eurem Kopf fest wie: „Uuuhh, sowas traue ich mich nicht. Das ist zu groß für mich. Sowas kann ich nicht. Das ist aber nicht so einfach. Das ist nichts für mich. Dafür bin ich zu klein, zu schwach, zu unerfahren, zu alt, zu dick zu dünn, zu was weiß ich nicht was.“ Alles Ausreden!

Positives Denken hilft nicht!

Diese Glaubenssätze, die ihr euch selbst vielleicht über Jahre anerzogen habt, müsst ihr ersetzen. Gutes Zureden und positives Denken oder positive Bullshit-Selbstsuggestionen wie: „Ich bin gut so wie ich bin“, oder „Ich schaffe das“, oder „Ich bin ein Geschenk für die Welt“ helfen euch dabei nicht weiter. Lasst euch das bitte von niemandem einreden, auch wenn es schön bequem ist.

Positives Denken ist nett und auch positive Selbst-Suggestionen sind nett, aber das Gehirn verändert sich auf Dauer nur dann, wenn es neue Erfahrungen macht. Wenn ihr genau das tut, was seinen bisherigen Denk- und Handlungsgewohnheiten widerspricht. Bitte lest diesen letzten Satz am besten noch dreimal. Strukturen und Netzwerke im Gehirn verändern sich nur dann, wenn der Mensch etwas Besonderes erlebt – das ist vielfach wissenschaftlich belegt. Und zwar zum einen emotional besonders wie auch körperlich besonders. Das bedeutet: Wenn ihr eine andere, mutige Verhaltensweise an den Tag legt, beginnt ein Prozess; neue Glaubenssätze und Überzeugungen entstehen. Et voilà – Ihr habt euch selbst umerzogen.

Wie ich in meinem Leben Mut entwickelte

Nach meinen Erfahrungen auf dem Tennisplatz, traute ich mich auch in anderen Bereichen mehr; stellte mich das erste Mal auf eine Bühne und sprach zu rund 150 Personen. Mir war speiübel und ich dachte ich falle in Ohnmacht. Alles in meinem Körper sagte: „Oh man was machst Du hier Steffen? Hau ab! Fahr heim und versteck Dich! Du gehörst nicht auf eine Bühne.“ Mit diesen Gedanken ging ich ins Scheinwerferlicht und hielt einen relativ schlechten, aber immerhin 90-minütigen Vortrag – ohne in Ohnmacht zu fallen.

Als ich meinen Laptop zusammenpackte, während die Leute langsam den Raum verließen dachte ich mir: „Puh Steffen, du musst echt noch sehr viel lernen. Das war nicht gut. Aber: Respekt, dass du es einfach knallhart durchgezogen hast. Nur die wenigsten Leute in diesem Raum hätten sich vorne hingestellt und sich diesem Druck hingegeben.“ Ich fing an, vor mir selbst Respekt zu bekommen, weil ich mich etwas getraut hatte, was mein Gehirn mir aufgrund alter Überzeugungen nicht zugetraut hatte. Nachdem ich fünf Vorträge gehalten hatte, merkte ich, dass die Angst immer kleiner und meine Qualität immer besser wurde. Ich begann plötzlich, nicht nur mich mutig zu verhalten, sondern mich mutig zu fühlen. Es entstand das erste Mal in meinem Leben so etwas wie Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.

Tut ab sofort jeden Tag etwas, dass euch schwerfällt!

Um eine mutige und selbstbewusste Persönlichkeit zu werden, tut jeden Tag etwas, für das ihr euch in irgendeiner Form überwinden müsst. Es kann etwas Kleines oder etwas Großes sein. Es kann beruflich, privat, sportlich, ernährungstechnisch oder was auch immer sein. Ihr müsst nicht gleich mit dem Schwersten anfangen. Überfordert euch nicht, aber fordert euch!

Weitere Tipps und Tools zur Entwicklung Deiner Persönlichkeit und Interviews mit spannenden Menschen, findest Du regelmäßig in meinem Podcast (über iTunes, libsyn oder spotify).

Viel Erfolg!

Dein Steffen Kirchner

Dieser Artikel ist zuerst auf Edition F erschienen.

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