Wie Du mutiger wirst

Der Moderator und sein Coach - Lutz van der Horst und Steffen Kirchner während ihrer Zusammenarbeit, um mutiger zu werden.

Der Moderator und sein Coach – Lutz van der Horst und Steffen Kirchner während ihrer Zusammenarbeit, um mutiger zu werden.

Vor einiger Zeit sollte ich im Rahmen der TV-Sendung „Wie werde ich mutiger?“ (auf zdf_neo) dem bekannten TV-Moderator Lutz van der Horst bei der Überwindung seiner massiven Höhenängste helfen. Die Aufgabe war es, innerhalb kürzester Zeit sichtbare Ergebnisse zu produzieren, die zeigten, dass er mutiger geworden war und seine Angst besser in den Griff bekam. In diesem Artikel erkläre ich Dir, durch welche Strategien Du innerhalb kurzer Zeit mehr Mut und innere Stärke gewinnen kannst, um Deine Ängste zu überwinden.

Als ich mit dem Produktionsteam zusammentraf, lernte ich meinen Coaching-Klienten kennen. Der prominente Moderator Lutz van der Horst (u.a. auch bekannt aus der heute-show) war von Beginn an sehr freundlich, höflich und umgänglich. Allerdings merkte ich sehr schnell, dass seine an den Tag gelegte Lockerheit irgendwie etwas gedämpft wirkte. Als ich ihm die Hand gab, wurde mir alles klar: Der Mann war schon jetzt extrem nervös, vor der bevorstehenden Aufgabe.
Unser Drehort war die Olmypia-Schwimmhalle in München, in der auch die Wettkampf Springtürme (in den Höhen von 1 m, 3 m, 5 m, 7,50 m und 10 m) stehen. Der Plan des Drehtags war, dass Lutz von mir mental darauf vorbereitet werden sollte, sich zu überwinden auf alle diese Türme hochzusteigen und am besten, trotz seiner Höhenangst, auch den Mut zu finden von dem ein oder anderen höheren Turm zu springen. Lutz stand schon bei der Besichtigung der Türme der Angstschweiß auf der Stirn.

Selbsterkenntnis ist der erste Weg, den inneren Angsthasen zu erlegen

Wie überwindet man nun seine Ängste und kann zumindest vorübergehend das Gefühl von mehr Mut entwickeln? Der erste Schritt in meinem Ansatz ist folgender: Um etwas zu tun, was gegen Deine inneren Gewohnheiten, Verhaltensmuster oder Motive geht, brauchst Du Willenskraft. Willenskraft ist nichts anderes als eine bestimmte Energieform. Man könnte also sagen: Wer seine eine Angst überwinden will, muss soviel Energie in sich erzeugen, bis dieses positive Energielevel größer ist als die Angst. Erst wenn ein Mensch genügend Energie in sich spürt, ist er in der Lage, soviel innere Stärke zu entwickeln, damit er der Angst mit Mut entgegentreten und sie überwinden kann. Mutiger zu werden bedeutet also, mehr positive Energie in sich zu entwickeln und freizusetzen. Wie schafft man sowas?

Zunächst einmal musst Du Dich dafür selbst gut kennen. Du musst wissen, was Dein Energielevel in kürzester Zeit positiv aktiviert und was eben nicht. Um es bildlich zu formulieren: Nur wer innerlich brennt, kann auch im Außen für eine Leistungsexplosion sorgen. Meine Aufgabe bei der Arbeit mit Lutz war also, ihn möglichst schnell intensiv kennenzulernen, damit ich verstehe wie er tickt, was ihn antreibt und was er persönlich braucht, um sich stärker und somit auch mutiger fühlen zu können. Hierzu gibt es verschiedene Ansätze, Techniken und Methoden. Ich habe mich für das Reiss Profil entschieden. Das Reiss Profil ist ein wissenschaftlich fundiertes Instrument zur Analyse der eigenen Persönlichkeit. Man „misst“ damit seine 16 Lebensmotive, also seine inneren Antreiber und Energiegeber. Als Coach erhalte ich damit in kürzester Zeit Aufschluss darüber, was meinem Klienten emotional wichtig ist und welche „Knöpfe“ ich bei ihm sozusagen drücken muss, um sein Energielevel positiv beeinflussen zu können.

Durch den Test, den Lutz bereits im Vorfeld gemacht hatte, erkannte ich anhand meiner Testauswertung, dass er einige sehr stark ausgeprägte Lebensmotive besaß. Ohne auf Details einzugehen kann ich verraten, dass es für ihn sehr wichtig ist, die Kontrolle über die Dinge zu behalten und selbst den größten Einfluss darauf zu haben, wie etwas ablaufen soll. Er braucht das Gefühl, selbst die Fäden in der Hand zu haben und die Führung und Verantwortung nicht aus der Hand geben zu müssen. Er will Entscheidungen unbedingt selbst treffen und nicht andere über sich entscheiden lassen, denn das macht ihn unsicher. Das waren sehr wichtige Erkenntnisse für mich, da ich nun sofort wusste: Achtung, dieser Mann braucht bei diesem heutigen Unterfangen auf den Sprungtürmen das absolute Gefühl der Selbstkontrolle und Entscheidungsmacht. Das bedeutet: Kein Druck, kein „Du musst!“, kein „Jetzt mach mal endlich“, kein „Beweg Deinen Arsch!“. Als ich mit Lutz in Ruhe das Coachinggespräch zu seinen Lebensmotiven führte, teilte ich ihm das genau so mit und gab ihm dieses Gefühl, dass er heute alles selbst kontrollieren könne. Sofort entspannte er sich und sagte mir auch wiederholt, dass ihn das enorm beruhige und er sich jetzt sicherer fühle, da er weiß, dass er selbst sozusagen die Fäden in der Hand habe.

Was durch das Testergebnis außerdem noch ans Tageslicht kam war, dass für Lutz die Anerkennung von außen extrem wichtig ist. Er ist absolut kritiksensibel und kann mit Unterstützung und Lob von außen sehr viel innere Energie gewinnen. Man könnte auch sagen: Sein Image und sein Ansehen sind ihm sehr wichtig. Das brachte mich als Coach auf eine interessante Idee: Ich sprach mit dem Produktionsleiter und teilte ihm mit, dass er und sein Team später, wenn Lutz auf die Sprungtürme gehen sollte, so viele Leute in der Schwimmhalle wie möglich ansprechen und zusammentrommeln sollte, um sich außenrum um das Sprungbecken zu versammeln und Lutz lauthals anzufeuern. Mein Plan war es, einen Schwimmhallen-Fanclub für Lutz ins Leben rufen, der ihn mutiger macht und bei seiner Angstüberwindung unterstützt. Ohne dem Ende der Sendung zuviel vorweg zu nehmen: Der Fanclub hatte in kürzester Zeit eine sehr beachtliche „Mitgliederanzahl“ und gab Lutz sichtbar und spürbar mehr Energie, was er auch schon im Vorfeld bestätigte. Er fand diese Idee großartig.

Mut und Stärke sind eine Frage der inneren Bilder

Nachdem ich die Persönlichkeit von Lutz nun näher kennengelernt und verstanden hatte, ging es jetzt darum ihm zu erklären, mit welchen Techniken er seine Körperenergie am stärksten beeinflussen kann. Ich fand schnell heraus, dass der stärkste Wahrnehmungskanal von Lutz der visuelle Kanal ist (es gibt auch andere Kanäle wie das taktile oder auditive). Das bedeutet: Lutz hat eine stark ausgeprägte bildliche Vorstellungskraft und einen sehr guten Zugang zu inneren Bildwelten. Ich erklärte ihm, dass er deswegen soviel Angst vor den Sprungtürmen habe, da in seinem Inneren schon beim Anblick der Türme innere Bildwelten entstehen, die ihm ein extrem ungutes und unsicheres Gefühl geben. Es ist nun nach meiner Philosophie nicht nötig, in der Vergangenheit herumzukramen, woher diese Ängste kommen und die Ursachen in der Kindheit dafür zu suchen und nacheinander aufzulösen. So arbeitet die Psychotherapie – lösungsfokussiertes Coaching geht anders. Mein Ansatz war, dass er neue starke Bildwelten bewusst in sich erschaffen kann und diese sein komplettes Gefühlsleben und somit auch sein Handeln beeinflussen können. Was Lutz brauchte, war ein Schnellkurs in Visualisierung.

Ich zeigte ihm mit verschiedenen Visualisierungsübungen, wie seine Vorstellungskraft seinen Körper und auch seine Körperenergie beeinflusst. Exemplarisch beschreibe ich Dir kurz eine Übung, die ich mit ihm zusammen auch vor der Kamera demonstrierte.
Was man wissen muss ist, dass Lutz nicht wirklich sportlich ist. Fit ist wirklich was anderes. Ich fragte ihn, wie viele Liegestützen er maximal schaffen würde und er meinte mit viel Selbstzweifel in seinem Gesicht: „Drei“ Das war sein Ernst. Er sagte, er sei unfähig Liegestützen zu machen. Er hatte schon beim Wort „Liegestütze“ ein sehr negatives und somit auch Energie blockierendes inneres Bild in seinem Kopf.

Nun startete ich mit Lutz eine Visualisierungsübung, die maximal zwei Minuten dauert. Er tauchte dabei in innere Bildwelten ein, von Momenten in seinem Leben, wo er sich körperlich unglaublich kräftig gefühlt hatte. Zusätzlich dazu ließ ich ihn sich vorstellen, wie er die Liegestützen komplett mühelos macht, wie ein Maschine. Er sollte sich in das Bild hineinversetzen, wie von Beginn an ein ganz angenehm zu tragender Leichtmetallgürtel um seinen Hüften gelegt wird und ein Magnet von oben ihn bei den Liegestützen zusätzlich unterstütze und ihn magnetisch immer wieder federleicht nach oben zieht, wenn er beginnt sich vom Boden wegzudrücken. Dieses Bild von unzähligen komplett kinderleichten Liegestützen, die vom Magneten unterstützt werden, wiederholten wir für ca. 1 Minute. Lutz war komplett vertieft in die Übung. Ich ließ ihn wieder seine Augen öffnen und sagte ihm: „Und jetzt geh runter auf den Boden um mach das genau so nach, wie du es gerade gesehen hast.“ Lutz schaute kurz etwas verdutzt (genauso wie das Kamerateam), ging auf den Boden und fing an, Liegestützen zu machen. Sein Ergebnis waren 14 Stück. Er stand auf und sah mich komplett schockiert an und meinte: „Wow, das hätte ich nie im Leben für möglich gehalten.“ Der Aufnahmeleiter samt Kamerateam standen ebenfalls überwältigt neben der Kamera und konnten es kaum fassen. Der Zweifel von Lutz an der Überwindung der heutigen Höhenangst-Aufgabe war gebrochen. Er sagte: „Jetzt wo du mir gezeigt hast, wozu ich mit so einer Technik in der Lage bin, glaube ich auch daran, dass ich das heute schaffen kann.“
Man sieht: Leistung ist genauso wie Mut vor allem auch eine Frage der inneren Bilder, die wir selbst in uns MACHEN.

Das innere Kraftwerk – Mut gewinnen durch die Stärken-Timeline

Nachdem Lutz nun nicht nur rational, sondern vor allem auch emotional verstanden hatte, dass seine innere Bildwelt einen Einfluss auf seine Leistungsfähigkeit und somit die Überwindungsfähigkeit von Ängsten hat, kamen wir zur letzten Stufe der mentalen Vorbereitung. Ich setzte mich mit ihm hin und lies mir von ihm Erlebnisse aus seinem Leben erzählen, in denen er schon mal Mut bewiesen und Ängste erfolgreich überwunden hatte.  Wenn Du Dich an positive Momente aus Deinem Leben erinnerst, in denen Du etwas geschafft hast, verändert sich automatisch Deine Energielevel in Deinem Körper. Denn Dein Kopf kann nicht unterscheiden zwischen Vorstellung und Realität – er reagiert in beiden Fällen! Ein Prinzip, das die meisten Menschen nicht verstehen.

Nach und nach fielen Lutz ihm immer mehr Erlebnisse ein und wir konzentrierten uns auf die emotional stärksten Erfahrungen. Ich ließ ihn von jedem Erlebnis erzählen, er sollte dabei die Augen schließen und die Szenerie bildlich vor seinem inneren Auge mitverfolgen, während er mir berichtete, was damals geschah. Jedes der Top-Erlebnisse, wo Lutz sehr mutig war, schrieb er dann jeweils groß mit einem Stichwort auf ein Blatt Papier, so dass am Ende mehrere Blätter Papier beschrieben waren. Aus diesen Blättern legte ich eine zeitlich nach Datum der Erlebnisse sortierte Zeitlinie (Timeline) auf den Boden. Ich ließ Lutz nun Schritt für Schritt diese „Timeline“ abgehen, wobei er auf jeder Station stehenbleiben musste, um sich in das Erfolgserlebnis von damals hineinzuversetzen. Er sollte sich bildlich vorstellen wie er damals seinen Mut erfolgreich bewiesen hatte. Zusätzlich dazu verankerten wir diese emotionalen Erinnerungen mit einem körperlichen Reiz. Bei Lutz waren das 3 Schläge mit der Faust auf seinen Brustkorb, sowie ein tiefer langer Atemzug. Damit lud er sich selbst „energetisch“ nach und nach auf wie ein Akku an der Steckdose. Am Ende sprühte er vor Energie und wollte wirklich SOFORT loslegen. Er war in einem emotionalen und energetischen State, der höher und stärker war, als seine Angst.

Der Fanclub von Lutz versammelte sich nach und nach immer mehr um den Beckenrand herum. Er klopfte immer und immer wieder auf seine Brust und tauchte gedanklich in die Welt seiner inneren Erfolgsbilder ein. Und dann bekam er die Info: „Wenn Du soweit bist, dann geh rauf auf den ersten Springturm. Fang bei 1 Meter an und steigere Dich in der Höhe von Mal zu Mal.“ Und was dann geschah…..das kannst Du Dir gerne hier im kompletten TV-Beitrag ansehen.

Herzliche Grüße, Dein

Steffen Kirchner

Ein Gedanke zu „Wie Du mutiger wirst

  1. Sehr schöner Beitrag, danke! Aber mal ehrlich mit Lutz van Horst würde ich mich die ganze Zeit totlachen und hätte keine Angst mehr. Da könnte man mich auch gleich in einen Heissluftballon setzen und ich würde es nicht merken :-)

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